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Kurzantwort

Eine PV-Anlage braucht einen Überspannungsschutz, aber nicht zwingend einen Blitzableiter. Der Überspannungsschutz gehört bei Neubauten zur Elektroinstallation, einen Blitzableiter schreibt das Baurecht für übliche Wohnhäuser nicht vor.

  • Überspannungsschutz: bei Neubauten Pflicht, im Bestand sehr ratsam
  • Blitzableiter: Pflicht nur, wenn Lage, Bauart oder Nutzung des Gebäudes es verlangen, etwa bei Schulen und Krankenhäusern
  • Vorhandener Blitzableiter: Die PV-Anlage darf seinen Schutz nicht verschlechtern
  • Abstand zum Blitzableiter: etwa 0,5 bis 1 m im Dachbereich (Trennungsabstand)
  • Kabel über 10 m: zweiter Überspannungsableiter direkt an den Modulen
  • Erdung des Gestells: mindestens 4 mm² Kupfer, bei Verbindung mit dem Blitzableiter zum Beispiel 16 mm²
  • Gerätepreise: ca. 250 Euro für einen Überspannungsableiter, ab etwa 800 Euro für einen Kombiableiter, jeweils ohne Einbau
  • Prüfung: Sichtprüfung alle 2 Jahre und gründliche Prüfung alle 4 Jahre bei Wohngebäuden mit Blitzableiter der Schutzklasse III

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Was ist ein Blitzschutz?

Blitzschutz ist der Sammelbegriff für alle Maßnahmen, die ein Haus, seine Bewohner und die Technik vor den Folgen eines Blitzes schützen. Die meisten denken dabei an den Blitzableiter auf dem Dach. Der ist aber nur ein Teil davon.

Fachleute unterscheiden drei Bausteine, die sich gegenseitig ergänzen:

Äußerer Blitzschutz

Der Blitzableiter. Er fängt den direkten Einschlag ab und führt den Strom außen am Haus in die Erde.

Innerer Blitzschutz

Verhindert Funken im Haus. Alle Metallrohre und Kabel werden mit dem zentralen Erdungspunkt des Hauses verbunden, der Haupterdungsschiene.

Überspannungsschutz

Schützt die Geräte. Kleine Schutzgeräte im Zählerschrank und am Wechselrichter begrenzen Spannungsspitzen auf ein ungefährliches Maß.

Wichtig zu wissen: Ein Blitzableiter verhindert den Einschlag nicht. Er bietet dem Blitz nur einen sicheren Weg in die Erde, damit das Haus keinen Schaden nimmt.

Geräte wie Wechselrichter und Batteriespeicher schützt er dagegen nicht. Dafür ist der Überspannungsschutz da.

Blitzschutz einer PV-Anlage am Wohnhaus im Schnitt Haus mit PV-Modulen auf dem Dach. Eine Fangstange am First bildet einen Schutzbereich über den Modulen und hält einen Trennungsabstand ein. Eine Ableitung führt an der Fassade zur Erdungsanlage. Im Haus sitzen Überspannungsableiter am Wechselrichter und im Zählerschrank, das Montagegestell ist über einen Potentialausgleichsleiter mit der Haupterdungsschiene verbunden. WR Zähler 1 2 3 4 5 6 7
  1. Fangeinrichtung: Fangstange am First, die den Einschlag aufnimmt
  2. Trennungsabstand: Abstand zwischen Blitzschutzleitungen und PV-Anlage, im Dachbereich etwa 0,5 bis 1 m
  3. Ableitung: führt den Blitzstrom außen am Gebäude nach unten
  4. Erdungsanlage: leitet den Strom ins Erdreich
  5. Überspannungsableiter (SPD): am Wechselrichter und im Zählerschrank, mit der Haupterdungsschiene verbunden
  6. Potentialausgleichsleiter: verbindet das Montagegestell mit der Haupterdungsschiene
  7. Schutzbereich: Bereich unter der gestrichelten Linie, in dem die Module vor einem direkten Einschlag geschützt sind
Schematische Darstellung des getrennten Blitzschutzsystems nach den Empfehlungen des VDE, nicht maßstäblich.

In Angeboten steht für die Schutzgeräte oft das Kürzel SPD. Das bedeutet Surge Protective Device, auf Deutsch Überspannungs-Schutzeinrichtung.

Ist Blitzschutz für eine PV-Anlage Pflicht?

Blitzschutz für eine PV-Anlage ist nur zum Teil Pflicht. Der Überspannungsschutz ist bei Neubauten vorgeschrieben, ein Blitzableiter bei üblichen Wohnhäusern nicht.

Überspannungsschutz: bei Neubauten Pflicht

Der Überspannungsschutz gilt laut VDE als fester Teil der Elektroinstallation und ist für quasi alle Gebäude verbindlich. Der Grund ist einfach: In jedem Haushalt hängen empfindliche Geräte am Netz.

Bei älteren Häusern müssen Sie nicht nachrüsten, der VDE nennt es aber sehr ratsam. Für die PV-Anlage selbst halten die deutschen Versicherer in ihrem Leitfaden fest, dass ein Überspannungsschutz für Strom- und Datenleitungen erforderlich ist.

Blitzableiter: nur bei bestimmten Gebäuden

Einen Blitzableiter verlangen die Bauordnungen nur, wenn ein Blitzschlag nach Lage, Bauart oder Nutzung leicht eintreten oder schwere Folgen haben kann. Gemeint sind zum Beispiel:

  • Gebäude in exponierter Lage und hohe Gebäude
  • Gebäude mit vielen Menschen, etwa Verkaufsstätten und Schulen
  • Kindertageseinrichtungen, Krankenhäuser und Pflegeheime

Ein übliches Wohnhaus gehört nicht dazu, hier entscheiden Sie selbst. Eine Photovoltaikanlage ändert daran nichts. Nur wenn schon ein Blitzableiter vorhanden ist, muss sich die Anlage in das System einpassen.

Tabelle seitlich scrollen
Pflicht und Empfehlung beim Blitzschutz einer PV-Anlage (qualitative Einordnung nach VDE und dem Leitfaden der Versicherer)
MaßnahmeWohnhaus ohne BlitzschutzsystemGebäude mit vorhandenem oder gefordertem Blitzschutz
ÜberspannungsschutzBei Neubauten Pflicht, im Bestand sehr ratsamPflicht, zusätzlich ein Blitzstromableiter dort, wo der Strom ins Haus kommt
Potentialausgleich des GestellsVorzusehen, unabhängig vom äußeren BlitzschutzVorzusehen
Äußerer BlitzschutzFreiwillig, Entscheidung des EigentümersPV-Anlage muss eingepasst werden, Schutz darf nicht schlechter werden

Wie gefährden Blitz und Überspannung eine PV-Anlage?

Eine PV-Anlage ist nicht nur gefährdet, wenn der Blitz direkt ins Dach einschlägt. Auch ein Einschlag in der Nachbarschaft kann Schaden anrichten, weil die Überspannung über die Leitungen ins Haus kommt.

Direkt
Einschlag in die Anlage

Sehr hohe Ströme fließen über Module und Gestell. Die Anlage wird häufig zerstört, auch Brände sind möglich.

bis 500 m
Einschlag in der Nähe

Die Magnetfelder des Blitzes erzeugen Überspannungen in den Leitungen der Anlage.

bis 3 km
Über das Stromnetz

So weit vom Einschlagsort entfernt sind Schäden an angeschlossenen Geräten dokumentiert.

Am empfindlichsten ist die Elektronik, also Wechselrichter, Speicher und Steuerungen im Haus.

Zieht eine PV-Anlage Blitze an?

Nein. Eine PV-Anlage auf dem Dach erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags nicht, weil sie die Höhe des Gebäudes nicht oder nur unwesentlich verändert. Der Leitfaden der Versicherer kommt zum selben Ergebnis. Kommt es auf einem Flachdach zu einem Einschlag, werden allerdings eher die Module getroffen, weil Blitze bevorzugt in metallene Aufbauten einschlagen, die aus der Dachfläche herausragen.

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Welches Schutzkonzept passt zu Ihrem Dach?

Welcher Schutz zu Ihrem Dach passt, hängt von zwei Fragen ab: Hat das Haus schon einen Blitzableiter? Und ist auf dem Dach genug Platz, damit die Module Abstand zu ihm halten können?

Die erste Frage beantwortet ein Blick nach oben. Einen Blitzableiter erkennen Sie an Fangstangen, an Leitungen auf First und Dachkanten und an Drähten, die an der Hauswand in den Boden führen.

Tabelle seitlich scrollen
Vier Ausgangslagen und was sie für Hausbesitzer bedeuten, nach den Empfehlungen des VDE
Ihre SituationWas das für Sie bedeutet
Kein Blitzableiter am HausDas Montagegestell wird geerdet, dazu kommen Überspannungsableiter am Wechselrichter und an der Netzeinspeisung. Ein Blitzableiter muss nicht nachgerüstet werden.
Blitzableiter vorhanden, genug Platz auf dem DachDie Module stehen im Schutzbereich der Fangstangen und halten etwa 0,5 bis 1 m Abstand zu den Leitungen des Blitzableiters. Das ist der umfassendste Schutz, kostet aber Dachfläche.
Blitzableiter vorhanden, Dach zu eng, abgeschirmte KabelBlitzableiter und PV-Anlage werden gezielt verbunden. Die Kabel von den Modulen werden abgeschirmt und außen am Haus nach unten geführt.
Blitzableiter vorhanden, Dach zu eng, normale KabelBlitzableiter und PV-Anlage werden gezielt verbunden. Vor und nach dem Wechselrichter sitzen dann die stärkeren Blitzstromableiter.
Für Fachleute: Ableiter und Anschlüsse je Ausgangslage
Tabelle seitlich scrollen
Vier Ausgangslagen und die vom VDE empfohlenen Maßnahmen für PV-Anlagen auf Gebäuden
AusgangslageGestell und BlitzschutzÜberspannungsableiter
Kein Blitzschutzsystem Montagegestell über eine Potentialausgleichsleitung an die Haupterdungsschiene anschließen SPD Typ 2 auf der Gleichstromseite des Wechselrichters. Ist das Wechselstromkabel zur Hauptverteilung länger als 10 m, SPD Typ 2 auf beiden Seiten. SPD Typ 2 in der Netzeinspeisung. Bei mehr als 10 m Gleichstromkabel zusätzlich SPD Typ 2 an den Modulen.
Blitzschutz vorhanden, Abstand eingehalten Module im Schutzbereich der Fangeinrichtungen, Trennungsabstand etwa 0,5 bis 1 m. Gestell an die Haupterdungsschiene, aber keine direkte Verbindung zum Blitzschutz. SPD Typ 2 vor und nach dem Wechselrichter. SPD Typ 1 in der Netzeinspeisung. Bei mehr als 10 m Gleichstromkabel zusätzlich SPD Typ 2 an den Modulen.
Abstand nicht einhaltbar, geschirmte Kabel Fangeinrichtungen mehrfach mit Modulen oder Gestell verbinden. Gleichstromkabel geschirmt und außen am Gebäude bis auf Erdniveau führen. Bei mehr als 10 m Gleichstromkabel SPD Typ 2 auf der Wechselstromseite des Wechselrichters. SPD Typ 1 in der Netzeinspeisung.
Abstand nicht einhaltbar, ohne Schirmung Fangeinrichtungen mehrfach mit Modulen oder Gestell verbinden. Rahmen und Gestell müssen Blitzteilströme weiterleiten können. SPD Typ 1 vor und nach dem Wechselrichter. SPD Typ 1 in der Netzeinspeisung.

Am besten planen Sie beides zusammen, das empfiehlt auch der VDE dringend. Sagen Sie dem Solarbetrieb früh Bescheid, wenn Sie Ihre PV-Anlage planen und ein Blitzableiter auf dem Dach ist. Der nötige Abstand kostet nämlich Dachfläche.

Wie groß muss der Trennungsabstand sein?

Zwischen den Leitungen des Blitzableiters und der PV-Anlage sollte im Dachbereich etwa 0,5 bis 1 m Platz sein. Fachleute nennen das den Trennungsabstand.

Der Grund: Schlägt ein Blitz ein, steht die Leitung des Blitzableiters kurz unter sehr hoher Spannung. Sind Module, Gestell oder Kabel zu nah, springt der Blitz wie ein Funke über. Dann drohen Brand und die Zerstörung der Elektrik.

Wie groß der Abstand genau sein muss, rechnet die Blitzschutz-Fachkraft aus. Er hängt von vier Dingen ab:

  • von der Schutzklasse des Blitzableiters
  • von der Zahl der Ableitungen: Mehrere verbundene Ableitungen verteilen den Strom, der Abstand wird kleiner
  • vom Material dazwischen: Luft isoliert besser als Ziegel oder Holz
  • von der Leitungslänge bis zur Erdung: Je länger, desto größer der Abstand

Ein Beispiel aus eigener Rechnung mit den Faktoren des VDE: Bei Schutzklasse III, einer einzelnen Fangstange und 10 m Leitungsweg bis zur Erdung ergeben sich 0,40 m durch Luft und 0,80 m durch Ziegel oder Holz.

Für Fachleute: Formel und Faktoren

Der Trennungsabstand wird nach DIN EN 62305-3 mit der Formel s = ki · kc / km · l berechnet.

Tabelle seitlich scrollen
Faktoren der Formel für den Trennungsabstand nach DIN EN 62305-3, Werte laut VDE
FaktorBedeutungWert
kiSchutzklasse des Blitzschutzsystems0,08 für Klasse I, 0,06 für Klasse II, 0,04 für Klasse III und IV
kcAnteil des Blitzstroms in der betrachteten Leitung1 für eine einzelne Fangstange, kleiner bei mehreren verbundenen Ableitungen
kmIsolationsvermögen des Materials dazwischen1,0 für Luft, 0,5 für Beton, Ziegel oder Holz
lLeitungslänge bis zum nächsten Punkt des Potentialausgleichs oder der Erdungin Metern
Rechenbeispiel (eigene Rechnung mit den Faktoren des VDE)

Blitzschutzklasse III, eine einzelne Fangstange, 10 m Leitungslänge bis zur Erdung, Luft zwischen Leitung und Modul: s = 0,04 · 1 / 1,0 · 10 m = 0,40 m.

Liegt zwischen Leitung und PV-Kabel statt Luft ein Ziegel oder Holz, halbiert sich km und der Abstand verdoppelt sich: s = 0,04 · 1 / 0,5 · 10 m = 0,80 m. Beide Ergebnisse passen zur Faustgröße des VDE von etwa 0,5 bis 1 m. Die verbindliche Berechnung macht die Blitzschutz-Fachkraft.

Wenn der Platz nicht reicht

Auf engen Dächern gibt es drei Auswege: Die Fachkraft kann Leitungen umlegen oder isolierende Abstandhalter setzen, eine hochspannungsfeste Isolierung einbauen oder Blitzableiter und Anlage gezielt verbinden. Das Verbinden ist der letzte Ausweg, weil dann Teile des Blitzstroms ins Gebäude gelangen.

Welcher Überspannungsschutz (SPD) gehört an die PV-Anlage?

Der Überspannungsschutz besteht aus kleinen Schutzgeräten, den Ableitern. Ohne Blitzableiter am Haus gehören Überspannungsableiter vom Typ 2 an die PV-Anlage. Mit Blitzableiter kommt ein Blitzstromableiter vom Typ 1 hinzu, und zwar dort, wo der Strom ins Haus kommt.

Die Typen begegnen Ihnen im Angebot des Solarbetriebs. Die Tabelle zeigt, wofür sie da sind.

Tabelle seitlich scrollen
SPD-Typen im Überblick mit Richtpreisen des VDE für das Gerät ohne Einbau
TypAufgabeEinbauortRichtpreis Gerät
SPD Typ 1 (Blitzstromableiter)Hält Blitzteilströme aus dem GebäudeHauptverteilung, meist im ZählerschrankAls Kombiableiter Typ 1 und 2 ab etwa 800 Euro
SPD Typ 2 (Überspannungsableiter)Begrenzt Überspannungen für die InstallationVerteilerschrank, Wechselrichter, bei langen Gleichstromkabeln an den Modulenca. 250 Euro
SPD Typ 3Feinschutz für einzelne empfindliche GeräteSteckdose am Gerät, sinnvoll bei Leitungslängen über etwa 5 mab ca. 30 Euro

Die 10-Meter-Regel

Ist das Solarkabel zwischen Modulen und Wechselrichter länger als 10 m, empfiehlt der VDE einen zweiten Ableiter direkt an den Modulen. Er sitzt häufig im Generatoranschlusskasten.

Reicht der Schutz im Wechselrichter?

Darauf sollten Sie sich nicht verlassen. Zwar sind die Ableiter laut VDE in manchen Wechselrichtern schon eingebaut. Die Versicherer sehen das aber strenger: Einfache eingebaute Bauteile, sogenannte Varistoren, erfüllen die Anforderungen nicht.

Wirksam ist der Schutz erst, wenn alle Anschlüsse des Wechselrichters abgesichert sind, auch die Datenleitungen. Auch ein Batteriespeicher muss in den Schutz einbezogen werden.

Welchen Querschnitt braucht der Potentialausgleich?

Der Potentialausgleich braucht mindestens 4 mm² Kupfer zwischen Montagegestell und Haupterdungsschiene. Das verlangen die Versicherer, egal ob das Haus einen Blitzableiter hat.

Hinter dem sperrigen Wort steckt eine einfache Idee: Alle Metallteile der Anlage werden leitend miteinander und mit der Erde verbunden. So kann sich das Gestell nicht elektrostatisch aufladen.

4 mm²
Normalfall

Das Montagesystem wird an die Haupterdungsschiene angeschlossen. Der Wert ist die Untergrenze.

16 mm²
Mit Blitzableiter verbunden

Wird das Gestell mit dem Blitzableiter verbunden, muss die Verbindung Blitzstrom tragen, zum Beispiel mit 16 mm² Kupfer.

Auch der Weg der Leitung spielt eine Rolle. Der Erdungsleiter sollte zusammen mit den PV-Kabeln verlegt werden, parallel und möglichst eng. Große Leiterschleifen sind zu vermeiden, weil ein naher Blitz darin Spannung erzeugt.

Was gilt auf dem Flachdach und auf der Freifläche?

Auf dem Flachdach ragen die Module aus der Dachfläche heraus. Kommt es zu einem Einschlag, werden deshalb eher sie getroffen. Das Risiko für das Gebäude steigt dadurch aber nicht.

Bei Photovoltaik auf dem Flachdach sollten die Module möglichst im Schutzbereich von Fangstangen stehen. Die haben allerdings einen Haken: Sie werfen Schatten, der einzelne Zellen überhitzen kann. Fangstangen und Module müssen deshalb gemeinsam geplant werden.

Solaranlagen auf Freiflächen werden geerdet und vermascht, also engmaschig leitend verbunden. Das reduziert Überspannungen deutlich. Für nachgeführte Anlagen, deren Modultische der Sonne folgen, empfehlen die Versicherer einen Blitzableiter.

Was kostet der Blitzschutz für eine PV-Anlage?

Für die Schutzgeräte nennt der VDE Richtpreise: ca. 250 Euro für einen Überspannungsableiter und ab etwa 800 Euro für einen Kombiableiter, jeweils ohne Einbau.

ca. 250 €
Überspannungsableiter

Typ 2, für Verteilerschrank und Wechselrichter

ab 800 €
Kombiableiter

Typ 1 und 2 in einem Gerät, für Häuser mit Blitzableiter

ab 30 €
Steckdosenschutz

Typ 3, für einzelne empfindliche Geräte

Hinzu kommt der Einbau durch die Elektrofachkraft. Für einen Blitzableiter lässt sich dagegen kein seriöser Pauschalpreis nennen. Zu viel hängt von Dachform, Gebäudehöhe und Erdung ab.

Ein Tipp: Planen Sie Blitzschutz und PV-Anlage zusammen, dann fallen Gerüst und Dacharbeiten nur einmal an. Welche Posten sonst zu einer Anlage gehören, zeigt die Übersicht der Photovoltaik-Kosten.

Einordnung: Schutz gegen Schaden

In einer Jahresbilanz der deutschen Hausrat- und Wohngebäudeversicherer kostete ein gemeldeter Blitz- und Überspannungsschaden im Durchschnitt 970 Euro, vor allem weil teure Steuerungen ersetzt werden mussten. Ein Überspannungsableiter für ca. 250 Euro entspricht damit rund einem Viertel eines durchschnittlichen Schadens (eigene Rechnung: 250 / 970 = 0,26). Der Durchschnitt umfasst alle Haushalte, nicht nur solche mit PV-Anlage.

Was verlangen Versicherer und wie oft wird geprüft?

Einen einheitlichen Blitzschutz verlangen Versicherer nicht. Ist der Schutz aber unzureichend, können sie die Versicherbarkeit der PV-Anlage in Frage stellen. Sprechen Sie deshalb am besten vor dem Bau mit Ihrem Versicherer.

Fordert er bestimmte Normen, sind sie für Sie verbindlich, sonst besteht kein Versicherungsschutz. Normen sind zwar kein Gesetz, gelten aber als anerkannte Regeln der Technik. Was eine Police sonst abdecken sollte, erklärt der Beitrag zur Photovoltaik-Versicherung.

Wie oft wird geprüft?

Ein Blitzableiter muss regelmäßig geprüft werden, die PV-Anlage ebenfalls. Die Fristen im Überblick:

Tabelle seitlich scrollen
Prüffristen für Blitzschutzsystem und PV-Anlage nach VDE und dem Leitfaden der Versicherer
Was wird geprüftFristQuelle
Blitzschutzsystem Klasse III (zum Beispiel Wohngebäude)Sichtprüfung alle 2 Jahre, detaillierte Prüfung alle 4 JahreVDE, typische Höchstabstände
Blitzschutzsystem Klasse I und IISichtprüfung jedes Jahr, detaillierte Prüfung alle 2 JahreVDE, typische Höchstabstände
Blitzschutzanlage auf Gebäuden mit PV-Anlagemindestens alle 5 JahreLeitfaden der Versicherer
PV-Anlage, Sichtprüfung durch FachbetriebjährlichLeitfaden der Versicherer
PV-Anlage, wiederkehrende elektrische Prüfungmindestens alle 4 JahreLeitfaden der Versicherer

VDE und Versicherer nennen leicht unterschiedliche Fristen. Wer sich an die kürzere hält, liegt richtig. Heben Sie die Prüfberichte zusammen mit dem Inbetriebnahmeprotokoll auf.

Nach einem Gewitter empfehlen die Versicherer außerdem eine Sichtkontrolle. Bei Schäden informieren Sie den Versicherer und einen Fachbetrieb. Mehr dazu steht im Beitrag zur Wartung der Solaranlage.

Woran erkennen Sie ein vollständiges Angebot?

Ein vollständiges Angebot nennt drei Dinge: den Überspannungsschutz mit Typ und Einbauort, die Erdung des Gestells mit Querschnitt und den Umgang mit einem vorhandenen Blitzableiter. Fehlt etwas, fragen Sie nach, bevor Sie unterschreiben.

Sechs Fragen an den Solarbetrieb
  1. Welche Überspannungsableiter werden eingebaut, und sitzen sie auf der Gleichstromseite, der Wechselstromseite und in der Netzeinspeisung?
  2. Wie lang ist das Gleichstromkabel? Bei mehr als 10 m gehört ein zweiter Ableiter an die Module.
  3. Verlässt sich das Angebot auf den Schutz im Wechselrichter, und ist das ein vollwertiger Ableiter oder nur ein Varistor?
  4. Mit welchem Querschnitt wird das Gestell an die Haupterdungsschiene angeschlossen? Die Untergrenze liegt bei 4 mm² Kupfer.
  5. Gibt es ein Blitzschutzsystem auf dem Dach, und wer berechnet den Trennungsabstand und passt die Fangeinrichtungen an?
  6. Ist der Batteriespeicher in den Überspannungsschutz einbezogen?

Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben. Beim Photovoltaik-Angebotsvergleich zeigt sich dann, ob ein niedriger Preis auf fehlenden Schutz zurückgeht.

Häufige Fragen

Ist Blitzschutz bei PV-Anlagen notwendig?

Ein Überspannungsschutz ist notwendig: Er gilt laut VDE bei Neubauten als fester Teil der Elektroinstallation, und der Leitfaden der Versicherer nennt ihn für die Strom- und Datenleitungen der PV-Anlage erforderlich. Ein äußerer Blitzschutz ist bei üblichen Wohngebäuden dagegen nicht verpflichtend und liegt im Ermessen des Eigentümers. Verlangt ihn das Baurecht wegen Lage, Bauart oder Nutzung des Gebäudes, muss die PV-Anlage in das Schutzkonzept eingepasst werden.

Zieht eine PV-Anlage auf dem Dach Blitze an?

Nein. Laut VDE erhöht eine PV-Anlage auf dem Dach die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags nicht, weil sie die Höhe des Gebäudes nicht oder nur unwesentlich verändert. Kommt es auf einem Flachdach zu einem Einschlag, werden allerdings eher die Module getroffen, da sie aus der Dachfläche herausragen.

Wie viel kostet ein Blitzschutz für eine PV-Anlage?

Für die Geräte nennt der VDE als Richtpreise ca. 250 Euro für einen Überspannungsableiter und ab etwa 800 Euro für einen Kombiableiter, der Blitzstrom und Überspannung abdeckt. Der Einbau durch die Elektrofachkraft kommt hinzu. Für einen äußeren Blitzschutz gibt es keinen belastbaren Pauschalpreis, weil Dachform, Gebäudehöhe und Erdungsanlage den Aufwand bestimmen. Hier hilft nur das Angebot einer Blitzschutz-Fachkraft.

Welchen Querschnitt braucht der Potentialausgleich einer PV-Anlage?

Der Leitfaden der Versicherer verlangt zwischen Montagegestell und Haupterdungsschiene einen Potentialausgleich mit mindestens 4 mm² Kupfer, unabhängig davon, ob ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist. Wird das Modulgestell mit dem äußeren Blitzschutz verbunden, muss die Verbindung blitzstromtragfähig sein, zum Beispiel mit 16 mm² Kupfer.

Wie groß muss der Trennungsabstand zwischen Blitzschutz und PV-Anlage sein?

Im Dachbereich beträgt der Trennungsabstand laut VDE etwa 0,5 bis 1 m. Den genauen Wert berechnet die Blitzschutz-Fachkraft aus Schutzklasse, Stromaufteilung, Material und Leitungslänge. Lässt er sich nicht einhalten, werden Blitzschutz und PV-Anlage gezielt miteinander verbunden und mit Blitzstromableitern geschützt.

Reicht der Überspannungsschutz im Wechselrichter aus?

Nicht automatisch. Der VDE weist darauf hin, dass Überspannungsableiter in manchen Wechselrichtern bereits integriert sind. Der Leitfaden der Versicherer hält dagegen fest, dass eingebaute Varistoren allein die Anforderungen nicht erfüllen und nur die Beschaltung aller Anschlüsse des Wechselrichters wirksam schützt. Lassen Sie sich deshalb im Angebot bestätigen, welcher Ableitertyp an welcher Stelle sitzt.

Warum haben viele Wohnhäuser keinen Blitzableiter?

Weil er dort nicht vorgeschrieben ist. Die Bauordnungen verlangen Blitzschutzanlagen nur für bauliche Anlagen, bei denen nach Lage, Bauart oder Nutzung ein Blitzschlag leicht eintreten oder zu schweren Folgen führen kann. Bei üblichen Wohngebäuden entscheidet laut VDE der Eigentümer nach seinem Sicherheitsbedürfnis.

Wie oft muss ein Blitzschutzsystem mit PV-Anlage geprüft werden?

Für Wohngebäude mit Blitzschutzklasse III nennt der VDE als typische Höchstabstände eine Sichtprüfung alle 2 Jahre und eine detaillierte Prüfung alle 4 Jahre. Der Leitfaden der Versicherer empfiehlt für Blitzschutzanlagen auf Gebäuden mit PV-Anlage mindestens alle 5 Jahre eine Überprüfung und nach jedem Gewitter eine Sichtkontrolle der Anlage.

Quellen und Methodik

Alle Zahlen und Rechtsaussagen dieses Beitrags stammen aus den Fachinformationen des VDE-Ausschusses Blitzschutz und Blitzforschung und aus dem Leitfaden der deutschen Versicherer. Die beiden Ergebnisse im Rechenbeispiel zum Trennungsabstand und der Kostenvergleich sind eigene Rechnungen mit den dort genannten Werten und als solche gekennzeichnet.

Die Gerätepreise sind Richtpreise des VDE ohne Einbau und ersetzen kein Angebot. Herstellerangaben wurden nicht verwendet.

  1. VDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung: Blitzschutz von Photovoltaik-Anlagen (Zusammenfassung von DIN EN 62305-3 Beiblatt 5)
  2. VDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung: Blitzschutzsystem: Das müssen Sie wissen (Trennungsabstand, Prüfung und Wartung, Verbindlichkeit von Normen)
  3. VDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung: Was versteht man unter Überspannungsschutz? (DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534, SPD-Typen, Richtpreise)
  4. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und VDE Renewables: VdS 3145 Photovoltaikanlagen, Publikation der deutschen Versicherer zur Schadenverhütung (PDF)
  5. VDE Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung: Risikoanalyse, Risikobewertung und Risikomanagement im Blitzschutz (Musterbauordnung § 46, Landesbauordnungen, Schadenbilanz der Versicherer)
Porträt von D. Volbracht, Autor bei Solar.red
D. Volbracht

D. Volbracht ist seit vielen Jahren im Bereich Photovoltaik und Heizsysteme tätig und hat Solar.red ins Leben gerufen, um verständlich über Photovoltaikanlagen, Heizungen und Wärmepumpen zu informieren.

Über uns · LinkedIn

Hinweis: Solar.red steht in keiner geschäftlichen Verbindung mit dem VDE, der VdS Schadenverhütung oder dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Der Beitrag gibt allgemeine technische Informationen wieder und ersetzt weder die Planung durch eine Blitzschutz-Fachkraft noch die Abstimmung mit dem Versicherer.

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