Picea war ein saisonaler Wasserstoff-Ganzjahresspeicher für Eigenheime, entwickelt von HPS Home Power Solutions AG in Berlin.
Insolvenz im April 2025: Das Amtsgericht Charlottenburg eröffnete am 1. April 2025 das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt.
Funktionsprinzip: Überschüssiger Solarstrom wurde per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, in Druckbehältern bei 300 Bar gespeichert und im Winter über eine Brennstoffzelle rückverstromt.
Kosten: 60.000–90.000 EUR Anschaffung, ca. 400–500 EUR/Jahr Wartung.
Scheitern: Zu hoher Preis, zu kleiner Markt, wartungsintensive H₂-Komponenten und ein Jahresverlust von 45,7 Mio. EUR (2023).
Für Bestandskunden: Kein offizieller Service mehr verfügbar. Betreiber vernetzen sich in Selbsthilfegruppen. Langfristige Ersatzteilversorgung ungeklärt.
Alternativen: Lithium-Ionen-Batteriespeicher in Kombination mit Photovoltaikanlage und Wärmepumpe erreichen Autarkiegrade von 60–80 %.
HPS Insolvenz 2025 – Was ist passiert?
HPS Home Power Solutions AG hat am 1. April 2025 den Geschäftsbetrieb eingestellt. Das Amtsgericht Charlottenburg eröffnete das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Der Insolvenzverwalter zeigte Masseunzulänglichkeit an – es sind kaum noch Vermögenswerte vorhanden. Ein Kauf des Picea-Systems ist nicht mehr möglich.
HPS Home Power Solutions ist seit April 2025 insolvent. Das Berliner Unternehmen hatte mit dem Picea-System den weltweit ersten saisonalen Wasserstoff-Ganzjahresspeicher für Privathaushalte entwickelt. Trotz innovativer Technik konnte sich das Produkt am Markt nicht durchsetzen.
Der Jahresverlust 2023 betrug 45,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital rutschte ins Negative. Mehrere Wechsel in der Geschäftsführung und ein gescheitertes Eigenverwaltungsverfahren im Februar 2025 konnten den Niedergang nicht stoppen.
Die Gründe für das Scheitern sind vielschichtig: Der Kaufpreis von 60.000–90.000 EUR war für die meisten Hausbesitzer zu hoch. Hinzu kamen hohe Servicekosten durch wartungsintensive Wasserstoff-Komponenten (Elektrolyseur, Brennstoffzelle, Kompressor) und ein Zielmarkt, der deutlich kleiner war als prognostiziert.
Für Anleger droht ein Totalverlust. Private Investoren, die über Nachrangdarlehen und Genussscheine in HPS investiert hatten, werden ihr Kapital nach Einschätzung von Experten überwiegend verlieren.
Wie funktionierte das Picea-System?
Das Picea-System wandelte überschüssigen Solarstrom in Wasserstoff um. Im Sommer produziert eine Photovoltaikanlage mehr Strom als ein Haushalt verbraucht. Dieser Überschuss wurde durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt.
Speicherung in Druckbehältern bei 300 Bar. Der erzeugte Wasserstoff wurde in speziellen Flaschenbündeln außerhalb des Hauses gespeichert. Je nach Auslegung kamen ein bis fünf Bündel zum Einsatz – jedes benötigte rund 2 m² Stellfläche.
Rückverstromung im Winter über eine Brennstoffzelle. In den sonnenarmen Monaten wandelte eine Brennstoffzelle den gespeicherten Wasserstoff zurück in Strom und lud den integrierten Batteriespeicher (17 kWh) auf. Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle lag bei etwa 50 %.
Abwärmenutzung für Heizung und Warmwasser. Die bei der Brennstoffzellenreaktion entstehende Wärme wurde zur Unterstützung des Heizsystems und der Warmwasserbereitung genutzt. Ein integriertes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung ergänzte die Funktion.
Intelligentes Energiemanagementsystem steuerte alles. Über eine App konnten Betreiber die Energieflüsse überwachen und optimieren. Das System entschied automatisch, ob Strom direkt verbraucht, in die Batterie geladen oder per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wurde.
Technische Daten im Überblick
| Komponente | Spezifikation | Standort |
|---|---|---|
| Elektrolyseur | PEM-Elektrolyse, ~70 % Wirkungsgrad | Inneneinheit |
| Brennstoffzelle | PEM, ~50 % elektrischer Wirkungsgrad | Inneneinheit |
| Batteriespeicher | 17 kWh Lithium-Ionen | Inneneinheit |
| Wasserstoffspeicher | 300 Bar, 1–5 Flaschenbündel | Außen |
| Hybrid-Wechselrichter | Integriert | Inneneinheit |
| Lüftungsanlage | Wärmerückgewinnung integriert | Inneneinheit |
| Energiemanagement | App-Steuerung, automatische Optimierung | Cloud/App |
Was kostete ein Picea Wasserstoff-Speicher?
Die Anschaffungskosten lagen bei 60.000 bis 90.000 EUR. Dieser Preis umfasste Elektrolyseur, Brennstoffzelle, Batteriespeicher, Wasserstofftanks, Hybrid-Wechselrichter und die vollständige Installation. Je nach Anzahl der Wasserstoff-Flaschenbündel und individueller Auslegung variierte der Endpreis.
Jährliche Wartungskosten betrugen etwa 400–500 EUR. Die jährliche Inspektion umfasste die Prüfung von Elektrolyseur, Brennstoffzelle, Batteriekapazität, Wasserstoffspeicher und die Reinigung von Filtern. Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass die realen Servicekosten durch defekte Komponenten deutlich höher ausfallen konnten.
Staatliche Förderungen konnten die Kosten senken. Über KfW-Programme und regionale Fördertöpfe ließen sich Teile der Investition refinanzieren. Die hohe Gesamtinvestition blieb dennoch die größte Hürde für eine breitere Marktdurchdringung.
Im Vergleich: Ein Lithium-Ionen-Batteriespeicher mit 10 kWh kostet 5.000–10.000 EUR. Die Gesamtkosten einer PV-Anlage mit Speicher liegen typischerweise bei 15.000–25.000 EUR – ein Bruchteil des Picea-Preises.
Vorteile und Nachteile der Picea-Anlage
✅ Vorteile
- Ganzjährige Autarkie: Als einziges Heimsystem bot Picea eine nahezu 100-prozentige Stromautarkie – auch im Winter.
- CO₂-freie Energieversorgung: Der gesamte Kreislauf von Erzeugung über Speicherung bis Rückverstromung war emissionsfrei.
- Abwärmenutzung: Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung aus der Brennstoffzellen-Abwärme sparten zusätzlich Energie.
- Saisonale Speicherung: Wasserstoff lässt sich über Monate verlustfrei speichern – ein klarer Vorteil gegenüber Batterien.
- Integrierte Lüftung: Die Wärmerückgewinnung sorgte für gefilterte Raumluft – besonders für Allergiker interessant.
❌ Nachteile
- Extrem hohe Kosten: 60.000–90.000 EUR Anschaffung machten das System für die meisten Haushalte unerschwinglich.
- Hersteller insolvent: Seit April 2025 kein Service, keine Garantie, keine Ersatzteile vom Hersteller.
- Wartungsintensive Technik: Elektrolyseur, Brennstoffzelle und Kompressor erwiesen sich als störanfällig und kostspielig im Unterhalt.
- Niedriger Gesamtwirkungsgrad: Elektrolyse (~70 %) × Brennstoffzelle (~50 %) = ca. 35 % Round-Trip-Effizienz.
- Platzbedarf außen: Bis zu 10 m² für fünf Wasserstoff-Flaschenbündel im Außenbereich nötig.
- Amortisation unrealistisch: Bei den Kosten und Einsparungen war eine Amortisation innerhalb der Lebensdauer kaum erreichbar.
Wie wirtschaftlich war das Picea-System?
Die Wirtschaftlichkeit war der zentrale Schwachpunkt. Bei Anschaffungskosten von 60.000–90.000 EUR und jährlichen Energieeinsparungen von etwa 1.500–2.500 EUR hätte sich die Investition erst nach 30–50 Jahren amortisiert – weit jenseits der erwarteten Lebensdauer.
Der Round-Trip-Wirkungsgrad lag bei nur rund 35 %. Von 3.000 kWh überschüssigem Solarstrom, die in den Elektrolyseur flossen, kamen letztendlich nur etwa 1.050 kWh als nutzbarer Strom zurück. Zum Vergleich: Ein Lithium-Ionen-Batteriespeicher erreicht 85–95 % Round-Trip-Effizienz.
Beispielrechnung: Wasserstoffproduktion und Deckung
| Parameter | Wert | Erklärung |
|---|---|---|
| PV-Überschuss | 3.000 kWh | ~30 % des Jahresertrags nicht direkt verbraucht |
| Nach Elektrolyse | 2.100 kWh (H₂) | Wirkungsgrad Elektrolyse ~70 % |
| Wasserstoffmenge | ~63 kg | Energiegehalt H₂: 33,33 kWh/kg |
| Rückverstromt | 1.050 kWh | Wirkungsgrad Brennstoffzelle ~50 % |
| Winterversorgung | ~105 Tage | Bei 10 kWh Tagesverbrauch |
Die Beispielrechnung zeigt das theoretische Potenzial. In der Praxis berichteten viele Betreiber von deutlich geringerer Wasserstoffproduktion – teilweise nur 23 % der Speicherkapazität in 12 Monaten. Störungen an Elektrolyseur und Brennstoffzelle waren häufig.
Was bedeutet die Insolvenz für Bestandskunden?
Mehrere hundert Picea-Anlagen sind in Deutschland installiert. Deren Betreiber stehen seit April 2025 ohne Herstellerservice da. Wartung, Software-Updates und Ersatzteilversorgung durch HPS sind nicht mehr möglich.
Betreiber organisieren sich in Selbsthilfegruppen. Im Photovoltaikforum und über Messenger-Gruppen vernetzen sich betroffene Kunden, tauschen Erfahrungen aus und suchen nach unabhängigen Technikern, die das System warten können.
Die Betriebserlaubnis lag bislang bei HPS. TÜV-Zertifikate und die formale Betriebsgenehmigung waren an den Hersteller gebunden. Was für einzelne Betreiber ohne Herstellerbetreuung rechtlich gilt, ist derzeit nicht abschließend geklärt.
Einige Anlagen wurden offenbar ferndeaktiviert. Mehrere Nutzer berichten, dass die Wasserstoffproduktion kurz vor der Insolvenzbekanntgabe ohne erkennbaren Defekt stoppte. Es besteht die Vermutung, dass HPS die Elektrolyseure aus der Ferne abgeschaltet hat.
Dokumentieren Sie den Zustand Ihrer Anlage und melden Sie Ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter an (Frist: 27. Juni 2025). Vernetzen Sie sich mit anderen Betreibern über das Photovoltaikforum. Prüfen Sie parallel Alternativen wie einen konventionellen Batteriespeicher für Ihr bestehendes PV-System.
Alternativen zum Wasserstoff-Speicher
Lithium-Ionen-Batteriespeicher sind die wirtschaftlichste Alternative. Systeme wie das E3/DC Hauskraftwerk speichern überschüssigen Solarstrom mit 85–95 % Effizienz. In Kombination mit einer PV-Anlage sind Autarkiegrade von 60–80 % realistisch.
PV + Batteriespeicher + Wärmepumpe: Dieses Trio gilt als das wirtschaftlichste Gesamtkonzept für maximale Energieunabhängigkeit. Die Kosten liegen typischerweise bei 25.000–40.000 EUR – deutlich unter einem Picea-System.
100 % Autarkie bleibt ohne Wasserstoff unrealistisch. Batteriespeicher können Strom nicht über Monate verlustfrei speichern. Die letzten 10–20 % Autarkie werden überproportional teuer. Für die meisten Haushalte ist ein Autarkiegrad von 70–80 % der wirtschaftlich sinnvolle Kompromiss.
Die Netzeinspeisung bleibt als Backup sinnvoll. Überschüssiger Strom fließt ins Netz und wird über die Einspeisevergütung vergütet. Im Winter liefert das Netz den fehlenden Strom – deutlich günstiger als ein Wasserstoffspeicher.
| Kriterium | Picea (H₂) | Batteriespeicher (Li-Ion) |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | 60.000–90.000 EUR | 5.000–15.000 EUR |
| Round-Trip-Effizienz | ~35 % | 85–95 % |
| Saisonale Speicherung | Ja (Monate) | Nein (Stunden/Tage) |
| Autarkiegrad | Bis ~100 % | 60–80 % |
| Wartungsaufwand | Hoch | Gering |
| Amortisation | 30–50+ Jahre | 8–12 Jahre |
| Herstellerstatus | Insolvent (04/2025) | Etablierte Anbieter |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist HPS Home Power Solutions insolvent?
Ja. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 1. April 2025 das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Philipp Grauer. Der Geschäftsbetrieb wurde vollständig eingestellt. Der Verwalter zeigte Masseunzulänglichkeit an – es sind kaum noch Vermögenswerte vorhanden.
Was passiert mit bestehenden Picea-Anlagen?
Installierte Anlagen können grundsätzlich weiterbetrieben werden, solange alle Komponenten funktionieren. Wartung und Reparaturen müssen jedoch eigenständig organisiert werden. Betreiber vernetzen sich über das Photovoltaikforum und Messenger-Gruppen. Langfristig ist die Ersatzteilversorgung und Software-Pflege ungeklärt.
Was kostete ein Picea Wasserstoff-Speicher?
Die Anschaffungskosten lagen bei 60.000 bis 90.000 EUR inklusive aller Komponenten und Installation. Die jährlichen Wartungskosten betrugen laut Hersteller etwa 400–500 EUR. In der Praxis fielen die realen Servicekosten häufig höher aus.
Wie hoch war der Wirkungsgrad des Picea-Systems?
Der Elektrolyseur erreichte rund 70 % Wirkungsgrad, die Brennstoffzelle etwa 50 %. Der Gesamtwirkungsgrad (Round-Trip-Effizienz) lag damit bei ca. 35 %. Zum Vergleich: Ein Lithium-Ionen-Batteriespeicher erreicht 85–95 %.
Welche Alternativen gibt es zum Picea?
Die wirtschaftlichste Alternative ist eine Kombination aus Photovoltaikanlage, Lithium-Ionen-Batteriespeicher und Wärmepumpe. Damit sind Autarkiegrade von 60–80 % realistisch – bei Gesamtkosten von 25.000–40.000 EUR. Eine 100-prozentige Autarkie ist ohne saisonale Speicherung allerdings kaum erreichbar.
Warum ist HPS gescheitert?
Die Hauptfaktoren: Zu hoher Preis für den Massenmarkt, hohe Servicekosten durch störanfällige Wasserstoff-Komponenten, ein zu kleiner Zielmarkt und massive Verluste (45,7 Mio. EUR im Jahr 2023). Die wirtschaftliche Amortisation des Systems war für die meisten Privathaushalte nicht darstellbar.
War die Wasserstoffspeicherung bei Picea sicher?
Die Sicherheitstechnik war laut Herstellerangaben robust: Druckbehälter bei 300 Bar, Installation der Tanks im Außenbereich, automatische Sicherheitsmechanismen bei Druckabfall und kontinuierliche Überwachung. Schwerwiegende Sicherheitsvorfälle sind nicht öffentlich bekannt geworden.
Fazit
Das Picea-System war technisch beeindruckend, wirtschaftlich jedoch nicht tragfähig. Die Idee, Privathaushalte ganzjährig mit selbst produziertem Wasserstoff zu versorgen, war visionär. Die Realität – 60.000–90.000 EUR Kosten, wartungsintensive Komponenten und ein Gesamtwirkungsgrad von nur 35 % – ließ das Geschäftsmodell scheitern.
Die Insolvenz von HPS im April 2025 ist ein Warnsignal. Sie zeigt, dass technische Innovation allein nicht reicht. Ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit und marktfähige Preise setzt sich auch die beste Technologie nicht durch. Bestandskunden stehen nun ohne Herstellerservice da.
Für die allermeisten Hausbesitzer bleibt die Kombination aus PV-Anlage, Batteriespeicher und ggf. Wärmepumpe der wirtschaftlich sinnvollste Weg zu hoher Energieunabhängigkeit. Autarkiegrade von 60–80 % sind damit realistisch – zu einem Bruchteil der Picea-Kosten.
Unsere Empfehlung: Holen Sie mindestens drei Angebote ein. Berechnen Sie vorab Ihren Bedarf mit unserem Solarrechner.
Hinweis: Solar.red steht in keiner geschäftlichen Verbindung oder Kooperation mit HPS Home Power Solutions oder anderen hier genannten Unternehmen. Alle Angaben zu Preisen und technischen Daten basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen und Herstellerangaben (Stand: März 2026). Preise sind Richtwerte ohne Installation und können je nach Händler und Region variieren. Angaben zu Wirkungsgraden und Lebensdauer beruhen auf Herstellerangaben und können je nach Nutzungsprofil abweichen. Für verbindliche Angebote und technische Beratung wenden Sie sich bitte an einen zertifizierten Fachhändler. Dieser Artikel dient ausschließlich der unabhängigen Information.
© 2026 Solar.red – Unabhängig seit 2019