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Das Wichtigste in Kürze

Silizium ist das Standardmaterial der Photovoltaik: Der weitaus größte Teil aller Solarmodule besteht aus kristallinem Silizium. Der Halbleiter wird aus Quarz gewonnen, in mehreren Schritten gereinigt und zu dünnen Scheiben gesägt, den Wafern. Für neue Anlagen sind Module aus monokristallinem Silizium die übliche Wahl.

  • Bandlücke von Silizium: rund 1,12 Elektronenvolt, Schmelzpunkt 1.415 Grad Celsius (PVEducation)
  • Reinheit von Rohsilizium aus dem Schmelzofen: 98 Prozent, nach der Reinigung weniger als ein Fremdteilchen auf eine Milliarde (PVEducation)
  • Wirkungsgrad von Serienmodulen aus Silizium: 20 bis 22 Prozent, im Labor über 27 Prozent (US-Energieministerium)
  • Lebensdauer von Siliziummodulen: 25 Jahre und mehr bei weniger als 1 Prozent Leistungsverlust pro Jahr (US-Energieministerium)

Was ist Silizium?

Silizium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Si und der Ordnungszahl 14. Es ist ein Halbleiter, leitet Strom also schlechter als ein Metall und besser als ein Isolator. Rein kommt Silizium in der Natur nicht vor. Es steckt gebunden an Sauerstoff in Sand und Gestein, vor allem als Quarz. Laut dem Lehrwerk PVEducation ist Siliziumdioxid das häufigste Mineral der Erdkruste.

Als reiner Stoff ist Silizium grau, hart und spröde. Aus ihm bestehen Computerchips ebenso wie Solarzellen. Die Photovoltaik nutzt dieselbe Eigenschaft wie die Elektronik: Die Leitfähigkeit von Silizium lässt sich gezielt einstellen.

14
Ordnungszahl
28,09
Atomgewicht (PVEducation)
1.415 °C
Schmelzpunkt (PVEducation)
1,12 eV
Bandlücke (PVEducation)

Warum eignet sich Silizium für Solarzellen?

Silizium eignet sich für Solarzellen, weil seine Bandlücke gut zum Sonnenlicht passt, der Rohstoff reichlich vorhanden ist und die Zellen sehr lange halten. Die Bandlücke ist die Energie, die ein Lichtteilchen mitbringen muss, um im Material ein Elektron freizusetzen. Das US-Energieministerium beschreibt sie als die Größe, die festlegt, welche Wellenlängen ein Material aufnehmen und in Strom umwandeln kann. Bei Silizium liegt sie bei rund 1,12 Elektronenvolt. Damit nutzt es das sichtbare Licht und einen Teil der Wärmestrahlung.

Damit aus freien Elektronen Strom wird, braucht die Zelle eine eingebaute Richtung. Dafür wird das Silizium dotiert, also gezielt mit winzigen Mengen fremder Atome versetzt. Phosphor bringt zusätzliche Elektronen mit, Bor hinterlässt Lücken. Wo beide Schichten aufeinandertreffen, entsteht ein elektrisches Feld. Es schiebt die freigesetzten Elektronen in eine Richtung, und es fließt Gleichstrom.

Wie das im Einzelnen abläuft, erklären die Beiträge zum Halbleiter und zum Photoeffekt. Eine einzelne Zelle liefert nur einen Bruchteil eines Volts, deshalb werden viele Zellen in einem Modul hintereinandergeschaltet. Den genauen Wert nennt der Beitrag zur Leerlaufspannung.

Wie wird aus Quarz ein Solar-Wafer?

Aus Quarz wird in vier Schritten ein Wafer: schmelzen, reinigen, Kristall ziehen, sägen. Der Wafer ist die dünne Siliziumscheibe, aus der später die Solarzelle entsteht. Der aufwendigste Teil ist die Reinigung, denn schon kleinste Mengen fremder Metalle stören den Stromfluss in der Zelle.

  1. SchmelzenQuarz wird mit Kohlenstoff im Lichtbogenofen auf 1.500 bis 2.000 Grad erhitzt. Ergebnis: Rohsilizium, 98 Prozent rein.
  2. ReinigenDas Rohsilizium wird in ein Gas umgewandelt, destilliert und bei 1.100 Grad wieder als Feststoff abgeschieden.
  3. Kristall ziehenAus der Schmelze entsteht ein Einkristall oder ein Block aus vielen Kristallen.
  4. SägenDiamantdrahtsägen schneiden den Kristall in dünne Scheiben, die Wafer.
Der Weg vom Quarz zum Wafer. Temperaturen und Reinheit nach PVEducation, Sägeverfahren nach US-Energieministerium.

Im ersten Schritt entzieht Kohlenstoff dem Quarz den Sauerstoff. Das Rohsilizium, das dabei entsteht, ist laut PVEducation zu 98 Prozent rein und geht zum großen Teil in die Metallindustrie. Für Solarzellen ist es viel zu unsauber.

Die Reinigung läuft meist nach dem Siemens-Verfahren. Das gemahlene Rohsilizium reagiert bei 300 Grad mit Chlorwasserstoff zu Trichlorsilan, einer Flüssigkeit, die sich wie Alkohol destillieren lässt. Danach wird das Trichlorsilan bei 1.100 Grad mit Wasserstoff wieder zu festem Silizium umgesetzt. Dieser Schritt dauert laut PVEducation rund 200 bis 300 Stunden. Am Ende liegt der Anteil elektrisch aktiver Fremdstoffe unter einem Teilchen auf eine Milliarde.

Warum die Herstellung viel Energie braucht

Hohe Temperaturen über viele Stunden kosten Strom. Deshalb steckt in einem Siliziummodul bereits Energie, bevor es das erste Mal Sonne sieht. Wie lange ein Modul braucht, um diese Energie wieder hereinzuholen, erklären die Beiträge zur energetischen Amortisation und zum Erntefaktor.

Monokristallin oder polykristallin?

Monokristallines Silizium besteht aus einem einzigen durchgehenden Kristall, polykristallines aus vielen kleinen. Der Unterschied entsteht beim Erstarren der Schmelze. Wird der Kristall langsam aus der Schmelze gezogen, ordnen sich alle Atome in einem einheitlichen Gitter. Lässt man die Schmelze in einer Form erstarren, wachsen viele Kristalle nebeneinander.

Die Grenzen zwischen diesen Kristallen heißen Korngrenzen, und sie kosten Leistung. PVEducation beschreibt zwei Effekte: An den Korngrenzen gehen freigesetzte Ladungen verloren, bevor sie als Strom abfließen, und die Grenzen behindern den Stromfluss. Dafür ist das Verfahren einfacher und deshalb günstiger.

Tabelle seitlich scrollen
Mono- und polykristallines Silizium im Vergleich (qualitative Einordnung nach PVEducation und US-Energieministerium)
MerkmalMonokristallinPolykristallin
KristallaufbauEin durchgehender KristallViele Kristalle mit Korngrenzen
HerstellungKristall wird aus der Schmelze gezogenSchmelze erstarrt im Block, einfacher
MaterialqualitätHöherNiedriger, Verluste an den Korngrenzen
HerstellkostenHöherNiedriger
AussehenEinheitlich dunkelBläulich, Kristalle sichtbar
Bedeutung für NeuanlagenStandardWeitgehend abgelöst

Lange waren polykristalline Module die günstige Standardlösung. Laut US-Energieministerium wurden sie von monokristallinem Silizium abgelöst. Die Einzelheiten stehen in den Beiträgen zu monokristallinen Solarzellen und polykristallinen Solarzellen.

Auch innerhalb der monokristallinen Zellen gibt es Unterschiede. Das Ministerium nennt drei Bauweisen, die einander abgelöst haben: PERC, bei der die Rückseite der Zelle zusätzlich beschichtet ist, sowie TOPCon und Heterojunction mit noch verlustärmeren Kontakten. Alle drei bestehen aus demselben Grundstoff.

Wirkungsgrad und Lebensdauer von Silizium-Solarzellen

Module aus kristallinem Silizium wandeln in der Serienfertigung 20 bis 22 Prozent des Sonnenlichts in Strom um. Im Labor erreichen monokristalline Zellen unter idealen Bedingungen mehr als 27 Prozent. Beide Werte nennt das US-Energieministerium. Dass ein Modul weniger schafft als die beste Zelle, liegt an Rahmen, Zellabständen, Glas und Verschaltung. Den Unterschied erklären die Beiträge zu Zellwirkungsgrad und Modulwirkungsgrad.

Serienmodul aus Silizium20 bis 22 %
Siliziumzelle im Laborüber 27 %
Mehrfachzelle im Laborüber 45 %
Wirkungsgrade im Vergleich. Mehrfachzellen stapeln mehrere Materialien übereinander und werden wegen ihrer Kosten in der Raumfahrt eingesetzt. Quelle: US-Energieministerium.

Eine einzelne Siliziumschicht kann das Sonnenlicht grundsätzlich nicht vollständig nutzen. Lichtteilchen mit zu wenig Energie gehen ungenutzt hindurch, bei solchen mit zu viel Energie wird der Überschuss zu Wärme. Höhere Werte erreichen nur Zellen, die mehrere Materialien übereinanderstapeln.

Die zweite Stärke von Silizium ist die Haltbarkeit. Laut US-Energieministerium erreichen Module aus kristallinem Silizium eine Lebensdauer von 25 Jahren und mehr, bei einem Leistungsverlust von weniger als 1 Prozent pro Jahr. Diesen schleichenden Verlust nennt man Degradation. Bei Hitze liefern Siliziumzellen außerdem etwas weniger, das beschreibt der Temperaturkoeffizient.

Welche Alternativen zu Silizium gibt es?

Die wichtigsten Alternativen zu Silizium sind Dünnschichtzellen, Perowskit-Zellen, organische Solarzellen und Mehrfachzellen. Jede hat eine besondere Stärke, etwa geringes Gewicht oder Biegsamkeit. Keine verbindet bisher Wirkungsgrad, Haltbarkeit und Preis so gut wie kristallines Silizium.

Tabelle seitlich scrollen
Alternativen zu Silizium (qualitative Einordnung nach US-Energieministerium, Solar Photovoltaic Cell Basics)
TechnikStärkeSchwäche
Cadmiumtellurid (CdTe)Günstig herzustellenWirkungsgrad unter dem von Silizium, braucht mehr Schutz im Freien
CIGSHohe Wirkungsgrade im LaborVier Elemente, schwer in die Fertigung zu übertragen
PerowskitEinfach herzustellen, Wirkungsgrad ähnlich wie SiliziumMuss im Freien erst dauerhaft stabil werden
Organische SolarzellenBiegsam, auf Kunststoff aufzubringenEtwa halb so effizient wie Silizium, kürzere Lebensdauer
QuantenpunkteBandlücke einstellbarBisher wenig effizient
MehrfachzellenWirkungsgrade über 45 ProzentTeuer, der Raumfahrt vorbehalten

Am nächsten an der Serienreife sind Zellen, die Silizium nicht ersetzen, sondern ergänzen. Bei einer Tandemzelle liegt eine dünne Perowskit-Schicht auf einer Siliziumzelle. Die obere Schicht nutzt das energiereiche blaue Licht, die untere das rote. Mehr dazu steht im Beitrag zu Perowskit-Solarzellen. Für besondere Einsatzorte gibt es Dünnschichtmodule und flexible Solarmodule.

Was heißt das für Ihren Modulkauf?

Für den Modulkauf heißt das: Die Frage nach dem Material ist entschieden, Sie bekommen in aller Regel monokristallines Silizium. Wichtiger als die Zellbezeichnung im Prospekt sind die Zahlen im Datenblatt. An ihnen lässt sich ablesen, was ein Modul auf Ihrem Dach leistet.

  • Modulwirkungsgrad: Er zeigt, wie viel Leistung auf einen Quadratmeter passt. Das zählt vor allem bei kleinen Dächern.
  • Temperaturkoeffizient: Je näher der Wert an null liegt, desto weniger verliert das Modul an heißen Sommertagen.
  • Leistungsgarantie: Sie sagt, wie viel Leistung der Hersteller nach vielen Jahren noch zusichert. Vergleichen Sie Dauer und zugesicherten Restwert.
  • Bauform: Bifaziale Module nutzen auch Licht, das auf die Rückseite fällt. Das lohnt sich bei heller Umgebung, etwa auf dem Flachdach.
Alte polykristalline Module behalten?

Ja. Polykristalline Module sind nicht schlechter geworden, nur weil es bessere gibt. Solange die Anlage läuft und der Ertrag stimmt, gibt es keinen Grund für einen Tausch. Erst bei einer Erweiterung oder einem Defekt lohnt der Blick auf neue Module.

Häufige Fragen zu Silizium

Warum wird Silizium in Solarzellen verwendet?

Silizium ist ein Halbleiter, dessen Bandlücke von rund 1,12 Elektronenvolt gut zum Sonnenlicht passt. Der Rohstoff Quarz ist das häufigste Mineral der Erdkruste. Dazu kommt, dass Module aus kristallinem Silizium laut US-Energieministerium 25 Jahre und länger halten.

Was ist der Unterschied zwischen mono- und polykristallinem Silizium?

Monokristallines Silizium besteht aus einem einzigen, durchgehenden Kristall. Polykristallines Silizium besteht aus vielen kleinen Kristallen, deren Grenzen im Inneren der Zelle Strom kosten. Dafür ist es laut dem Lehrwerk PVEducation einfacher und günstiger herzustellen.

Was ist besser, mono- oder polykristalline Solarmodule?

Für eine neue Anlage sind monokristalline Module die bessere Wahl, weil sie aus derselben Fläche mehr Strom holen. Polykristalline Module wurden von ihnen weitgehend abgelöst. Eine vorhandene Anlage mit polykristallinen Modulen muss deshalb nicht getauscht werden.

Wie rein muss Silizium für Solarzellen sein?

Sehr rein. Rohsilizium aus dem Schmelzofen ist laut PVEducation zu 98 Prozent rein, das reicht nicht. Nach der chemischen Reinigung liegt der Anteil elektrisch aktiver Fremdstoffe unter einem Teilchen auf eine Milliarde. Solarzellen vertragen dabei etwas mehr Verunreinigung als Computerchips.

Wie hoch ist der Wirkungsgrad einer Silizium-Solarzelle?

Im Labor erreichen monokristalline Siliziumzellen laut US-Energieministerium mehr als 27 Prozent. Module aus der Serienfertigung liegen nach derselben Quelle bei 20 bis 22 Prozent. Der Unterschied entsteht durch Rahmen, Zellabstände und Verluste in Glas und Verschaltung.

Wie lange halten Silizium-Solarzellen?

Module aus kristallinem Silizium erreichen laut US-Energieministerium eine Lebensdauer von 25 Jahren und mehr. Ihre Leistung nimmt dabei um weniger als 1 Prozent pro Jahr ab.

Welche Alternativen zu Silizium gibt es in der Photovoltaik?

Die wichtigsten Alternativen sind Dünnschichtzellen aus Cadmiumtellurid oder CIGS, Perowskit-Zellen, organische Solarzellen und Mehrfachzellen. Keine davon verbindet bisher Wirkungsgrad, Haltbarkeit und Preis so gut wie kristallines Silizium.

Ist Silizium ein knapper Rohstoff?

Nein. Silizium wird aus Quarz gewonnen, und Siliziumdioxid ist laut PVEducation das häufigste Mineral der Erdkruste. Aufwendig ist nicht die Beschaffung, sondern die Reinigung, die viel Energie braucht.

Fazit

Silizium ist aus gutem Grund das Standardmaterial der Photovoltaik. Der Rohstoff ist reichlich vorhanden, die Technik ausgereift, und die Module halten Jahrzehnte. Der Preis dafür ist eine aufwendige Reinigung, die viel Energie braucht.

Für Ihr Dach müssen Sie sich um das Material kaum Gedanken machen. Monokristalline Siliziummodule sind die übliche Wahl. Achten Sie beim Vergleich auf Wirkungsgrad, Temperaturkoeffizient und Garantie, und lassen Sie sich von neuen Zellnamen nicht verunsichern.

Quellen und Methodik

Stoffwerte, Herstellungsschritte und die Angaben zu Korngrenzen stammen aus dem Lehrwerk PVEducation von Christiana Honsberg und Stuart Bowden. Wirkungsgrade, Lebensdauer und die Einordnung der Alternativen stammen vom US-Energieministerium. Die Tabellen zu Kristallarten und Alternativen sind qualitative Einordnungen ohne eigene Messwerte. Solar.red hat keine Zellen gemessen.

  1. PVEducation (Honsberg und Bowden): General Properties of Silicon - Bandlücke, Schmelzpunkt, Atomgewicht
  2. PVEducation (Honsberg und Bowden): Refining Silicon - Gewinnung aus Quarz, Reinheit von Rohsilizium, Siemens-Verfahren
  3. PVEducation (Honsberg und Bowden): Multi Crystalline Silicon - Korngrenzen, Kosten und Materialqualität
  4. US-Energieministerium: Crystalline Silicon Photovoltaics Research - Wirkungsgrade, Lebensdauer, Zellbauweisen
  5. US-Energieministerium: Solar Photovoltaic Cell Basics - Bandlücke, Alternativen zu Silizium

Hinweis: Dieser Beitrag dient der unabhängigen Information und ersetzt keine Planung durch einen Fachbetrieb. Laborwerte weichen von Serienprodukten ab, maßgeblich für ein konkretes Modul ist das Datenblatt. Solar.red steht in keiner Verbindung zu den genannten Einrichtungen. Über die Anzeigen auf dieser Seite werden Anfragen an Fachbetriebe vermittelt, dafür erhält Solar.red eine Vergütung.

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