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Das Wichtigste in Kürze

Der Temperaturkoeffizient eines Solarmoduls gibt an, um wie viel Prozent sich die Leistung je Grad Celsius ändert, wenn die Zellen wärmer oder kälter sind als die Normtemperatur von 25 °C. Der Wert ist negativ: Je heißer das Modul, desto weniger Leistung. Je näher der Wert an null liegt, desto besser.

  • Typische Werte der Leistung: PERC -0,32 %, TOPCon -0,29 %, Rückkontakt -0,27 %, Heterojunction -0,26 % je Grad (mittlere Werte aus Labortests von Kiwa PVEL)
  • Sommertag: Bei 30 °C Luft und voller Sonne erreichen die Zellen rund 65 °C (eigene Rechnung mit der Betriebstemperatur NOCT von 48 °C)
  • Verlust bei 65 °C: rund 11,6 % der Nennleistung bei -0,29 % je Grad (eigene Rechnung)
  • Spannung: Die Leerlaufspannung einer Siliziumzelle fällt um rund 2,2 mV je Grad, der Kurzschlussstrom steigt nur um 0,06 % je Grad (PVEducation)
  • Einbau: Dachintegrierte Module ohne Luft im Rücken werden oft 10 Grad oder mehr wärmer (PVEducation)

Was ist der Temperaturkoeffizient bei Solarmodulen?

Der Temperaturkoeffizient beschreibt, wie stark sich die Leistung eines Solarmoduls ändert, wenn sich die Temperatur der Zellen um ein Grad ändert. Er steht im Datenblatt als Prozentwert je Grad Celsius oder je Kelvin, was dasselbe bedeutet. Ein Wert von -0,29 %/°C heißt: Mit jedem Grad, das die Zellen wärmer werden, sinkt die Leistung um 0,29 %.

Der Bezugspunkt ist immer 25 °C Zelltemperatur. Bei dieser Temperatur wird die Nennleistung eines Moduls im Labor gemessen, zusammen mit einer Einstrahlung von 1.000 Watt je Quadratmeter. Diese Normbedingungen heißen STC. Auf dem Dach sind die Zellen an sonnigen Tagen fast immer wärmer, weshalb die Nennleistung dort selten erreicht wird.

Das Minuszeichen ist bei allen gängigen Solarmodulen gleich. Unterschiede gibt es in der Höhe: Ein Modul mit -0,26 % verliert bei Hitze spürbar weniger als eines mit -0,35 %. An kalten, klaren Tagen dreht sich der Effekt um. Dann liegt die Zelltemperatur unter 25 °C und das Modul kann mehr leisten, als im Datenblatt steht.

Welche drei Temperaturkoeffizienten stehen im Datenblatt?

Im Datenblatt eines Solarmoduls stehen drei Temperaturkoeffizienten: einer für die Leistung, einer für die Spannung und einer für den Strom. Sie haben unterschiedliche Vorzeichen und werden für unterschiedliche Zwecke gebraucht.

Leistung
Pmax oder Pmpp
  • Vorzeichennegativ
  • Richtwert Silizium-0,4 bis -0,5 % je Grad
  • Wichtig fürden Ertrag an warmen Tagen
Leerlaufspannung
Uoc oder Voc
  • Vorzeichennegativ
  • Richtwert Siliziumrund -2,2 mV je Grad und Zelle
  • Wichtig fürdie Zahl der Module je Strang
Kurzschlussstrom
Isc
  • Vorzeichenpositiv
  • Richtwert Silizium+0,06 % je Grad
  • Wichtig fürdie Auslegung des Wechselrichters

Richtwerte für klassische Siliziumzellen nach dem Lehrwerk PVEducation. Module aus jüngerer Fertigung liegen bei der Leistung meist besser, siehe Vergleich der Zelltechnologien.

Für den Ertrag zählt der Koeffizient der Leistung. Er fasst zusammen, was Spannung und Strom gemeinsam bewirken. Wenn in Angeboten oder Tests nur von „dem" Temperaturkoeffizienten die Rede ist, ist dieser Wert gemeint.

Der Koeffizient der Leerlaufspannung ist für die Planung wichtig. Bei Kälte steigt die Spannung, und an einem klaren Frosttag darf die Spannung aller Module eines Strangs die Grenze des Wechselrichters nicht überschreiten. Wie man das rechnet, zeigt der Beitrag zur Reihenschaltung. Der Kurzschlussstrom steigt mit der Temperatur leicht an, der Effekt ist aber so klein, dass er den Spannungsverlust nicht ausgleicht.

Wie heiß wird ein Solarmodul?

Ein Solarmodul wird in der Sonne deutlich wärmer als die Luft, an einem Sommertag mit 30 °C rund 65 °C. Der Grund: Nur ein Teil des Lichts wird zu Strom, der größere Rest zu Wärme. Für den Temperaturkoeffizienten zählt deshalb nie die Lufttemperatur, sondern die Temperatur der Zellen.

Wie warm ein Modul im Betrieb wird, verrät eine zweite Angabe im Datenblatt: die Betriebstemperatur der Zelle, kurz NOCT. Sie wird nach PVEducation bei 800 Watt Einstrahlung je Quadratmeter, 20 °C Lufttemperatur, leichtem Wind von 1 m/s und offener Rückseite gemessen. Ein typisches Modul erreicht dabei 48 °C, in den Vergleichsmessungen lag das beste bei 33 °C und das schlechteste bei 58 °C.

Aus diesem Wert lässt sich die Zelltemperatur für andere Wetterlagen abschätzen. Die übliche Näherungsformel zählt zur Lufttemperatur einen Aufschlag, der mit der Einstrahlung wächst. Bei einem Modul mit 48 °C NOCT sind das bei voller Sonne 35 Grad.

Tabelle seitlich scrollen
Zelltemperatur eines frei hinterlüfteten Moduls mit 48 °C NOCT bei voller Einstrahlung von 1.000 W/m² und Leistungsänderung bei -0,29 % je Grad (eigene Rechnung mit der NOCT-Näherungsformel)
LufttemperaturZelltemperaturAbstand zu 25 °CLeistung
-10 °C25 °C0 Grad100 %
0 °C35 °C10 Grad97,1 %
10 °C45 °C20 Grad94,2 %
20 °C55 °C30 Grad91,3 %
30 °C65 °C40 Grad88,4 %
35 °C70 °C45 Grad87,0 %

Die Tabelle zeigt, warum die Nennleistung auf dem Dach so selten erreicht wird. Bei voller Sonne müsste es draußen etwa minus 10 °C haben, damit die Zellen bei 25 °C bleiben. Wind kühlt die Module zusätzlich, bei Windstille werden sie wärmer als berechnet.

Der Einbau macht den Unterschied

Die Werte gelten für Module mit freier Rückseite. Liegt ein Modul direkt auf dem Dach, kann es seine Wärme nach hinten nicht abgeben. Dachintegrierte Module werden laut PVEducation oft 10 Grad oder mehr wärmer. Bei -0,29 % je Grad kostet das in dem Moment rund 2,9 % Leistung zusätzlich.

Wie berechnet man den Leistungsverlust durch Temperatur?

Den Leistungsverlust durch Temperatur berechnet man in zwei Schritten: erst den Abstand der Zelltemperatur zu 25 °C bestimmen, dann mit dem Temperaturkoeffizienten der Leistung multiplizieren. Das Ergebnis ist die Änderung in Prozent der Nennleistung.

Formel

Leistungsänderung in % = (Zelltemperatur - 25 °C) x Temperaturkoeffizient in % je Grad

Zelltemperatur näherungsweise = Lufttemperatur + (NOCT - 20 °C) x Einstrahlung in W/m² / 800

Ein Beispiel für den Sommer: Ein Modul hat 440 Watt Nennleistung und einen Koeffizienten von -0,29 % je Grad. Die Zellen sind 65 °C warm, also 40 Grad über der Normtemperatur. 40 mal -0,29 % ergibt -11,6 %. Bei voller Einstrahlung liefert das Modul damit rund 389 Watt statt 440 Watt.

Und eines für den Winter: An einem klaren Frosttag bleiben die Zellen desselben Moduls bei 5 °C, also 20 Grad unter der Normtemperatur. Minus 20 mal -0,29 % ergibt +5,8 %. Scheint die Sonne mit voller Stärke, wären das rund 466 Watt. In der Praxis ist die Einstrahlung im Winter meist schwächer, sodass dieser Wert nur kurzzeitig erreicht wird.

Rechner: Modulleistung bei Hitze und Kälte

65 °C
Zelltemperatur
-11,6 %
Änderung durch Temperatur
389 W
Leistung des Moduls

Bei 30 °C Lufttemperatur und 1.000 W/m² liefert das Modul rund 389 Watt.

Näherung für frei hinterlüftete Module bei leichtem Wind. Die Leistung wird proportional zur Einstrahlung angesetzt. Verluste in Kabeln und Wechselrichter sind nicht enthalten.

Welche Zelltechnologie hat den besten Temperaturkoeffizienten?

Den besten Temperaturkoeffizienten haben Heterojunction-Module, gefolgt von Rückkontaktmodulen, TOPCon und PERC. Das zeigen die Labortests von Kiwa PVEL, einem unabhängigen Prüflabor, das die Koeffizienten vieler Modultypen selbst misst. Die Werte unten sind die mittleren Messwerte je Technologie über drei Testjahrgänge.

Tabelle seitlich scrollen
Temperaturkoeffizient der Leistung nach Zelltechnologie: mittlere Laborwerte von Kiwa PVEL. Verlust bei 65 °C Zelltemperatur als eigene Rechnung (40 Grad über 25 °C)
ZelltechnologieKoeffizient je GradVerlust bei 65 °CLeistung eines 440-Watt-Moduls
Heterojunction (HJT)-0,26 %10,4 %394 W
Rückkontakt (xBC)-0,27 %10,8 %392 W
TOPCon-0,29 %11,6 %389 W
PERC-0,32 %12,8 %384 W
Leistungsverlust bei 65 °C Zelltemperatur
Heterojunction10,4 %
Rückkontakt10,8 %
TOPCon11,6 %
PERC12,8 %
Eigene Rechnung aus den mittleren Laborwerten von Kiwa PVEL. Die Balkenlänge ist auf 16 % Verlust als volle Breite bezogen.

Der Abstand zwischen den Technologien ist kleiner, als manche Werbung nahelegt. Zwischen dem besten und dem schwächsten Mittelwert liegen an einem heißen Tag 2,4 Prozentpunkte, bei einem Modul mit 440 Watt sind das rund 10 Watt. Kiwa PVEL weist außerdem darauf hin, dass für Heterojunction- und Rückkontaktmodule deutlich weniger Proben vorliegen als für PERC und TOPCon.

Für Heterojunction-Zellen bestätigt die Forschung den Vorsprung. Eine Arbeit von Forschern der Hochschule EPFL und des Forschungszentrums CSEM nennt für diese Zellen Koeffizienten von -0,23 bis -0,29 % je Grad. Im einzelnen Datenblatt kann der Wert vom Mittel abweichen. Maßgeblich ist immer die Angabe für das konkrete Modul. Mehr zu den Bauarten steht in den Beiträgen zu PERC und zu monokristallinen Solarmodulen.

Warum verlieren Solarzellen bei Wärme Leistung?

Solarzellen verlieren bei Wärme Leistung, weil ihre Spannung sinkt. In einem warmen Halbleiter bewegen sich die Ladungsträger stärker, und mehr von ihnen gehen verloren, bevor sie als Strom genutzt werden. Dieser innere Verluststrom wächst schnell: Nach PVEducation verdoppelt er sich bei Silizium in der Nähe der Raumtemperatur etwa alle 10 Grad. Die Folge ist eine niedrigere Spannung an der Zelle.

In Zahlen: Die Leerlaufspannung einer Siliziumzelle fällt um rund 2,2 mV je Grad. Bei einer Zellspannung von rund 0,7 Volt entspricht das nach eigener Rechnung etwa 0,3 % je Grad. Der Strom steigt gleichzeitig nur um 0,06 % je Grad. Unter dem Strich bleibt ein Minus bei der Leistung.

Daraus erklärt sich auch, warum neuere Zelltypen besser abschneiden. Je höher die Spannung einer Zelle von Haus aus ist, desto weniger fällt derselbe Verlust in Millivolt ins Gewicht. Die Forscher um die EPFL beschreiben genau diesen Zusammenhang: Eine höhere Leerlaufspannung führt zu einem kleineren Temperaturkoeffizienten. Heterojunction-Zellen erreichen besonders hohe Spannungen, weil ihre Oberflächen sehr gut gegen Verluste geschützt sind.

Praxis: Temperaturverluste klein halten

Temperaturverluste lassen sich auf zwei Wegen klein halten: die Module kühler betreiben oder Module wählen, die Wärme besser vertragen. Der erste Weg wirkt meist stärker, weil der Einbau über 10 Grad und mehr entscheidet, die Zelltechnologie aber nur über Zehntelprozente je Grad.

Am wichtigsten ist Luft hinter den Modulen. Eine Aufdachanlage mit Abstand zur Dachhaut gibt Wärme nach hinten ab, die Luft steigt im Spalt nach oben und zieht kühlere nach. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zur Hinterlüftung. Bei Indach-Modulen fehlt dieser Luftstrom weitgehend. Wer sich aus optischen Gründen für diese Bauweise entscheidet, sollte beim Temperaturkoeffizienten besonders genau hinsehen.

  • Im Datenblatt den Koeffizienten der Leistung suchen, meist als „Temperaturkoeffizient Pmax" bezeichnet.
  • Zusätzlich den NOCT-Wert vergleichen: Ein niedriger Wert bedeutet, dass das Modul im Betrieb kühler bleibt.
  • Bei Aufdachanlagen darauf achten, dass der Luftspalt unter den Modulen oben und unten offen bleibt.
  • Bei Indach-Anlagen und flach aufliegenden Modulen einen Koeffizienten nahe -0,26 % je Grad bevorzugen.
  • In der Ertragsprognose nachfragen, ob Temperaturverluste für den Standort berücksichtigt sind.

Wer es genau wissen will, schaut an einem heißen Tag ins Monitoring. Liegt die Leistung bei voller Sonne rund 10 bis 13 % unter der Nennleistung, ist das kein Defekt, sondern der Temperatureffekt. Dazu kommen die übrigen Verluste der Anlage, die in der Performance Ratio zusammengefasst sind. Das Fraunhofer ISE nennt dafür im Jahresmittel typischerweise 80 bis 90 %, die erhöhte Betriebstemperatur ist darin bereits enthalten.

Wie wichtig ist der Temperaturkoeffizient beim Modulkauf?

Der Temperaturkoeffizient ist ein nützlicher Vergleichswert, aber kein Hauptkriterium für ein Hausdach in Deutschland. An einem heißen Sommertag macht der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem sehr guten Modul gut zwei Prozentpunkte Leistung aus. Über das Jahr sind die Zellen meist deutlich kühler als 65 °C, der Vorteil schrumpft entsprechend.

Mehr Gewicht bekommt der Wert in drei Fällen: bei dachintegrierten Anlagen, bei flach aufliegenden Modulen auf dem Flachdach und an heißen Standorten. Kiwa PVEL fasst es so zusammen: Bessere Temperaturkoeffizienten führen zu höheren Erträgen, besonders an Standorten mit hohen Temperaturen.

Beim Vergleich von Angeboten gehört der Koeffizient deshalb in eine Reihe mit anderen Kennwerten: Modulwirkungsgrad, Degradation, Garantiebedingungen und Schwachlichtverhalten. Ein Modul, das in allen Punkten solide ist, bringt mehr als eines mit einem Spitzenwert in nur einer Zeile des Datenblatts. Achten Sie darauf, dass wirklich der Wert für die Leistung verglichen wird und nicht der für Strom oder Spannung.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Temperaturkoeffizient bei Solarmodulen?

Ein guter Temperaturkoeffizient der Leistung liegt bei -0,30 % je Grad oder näher an null. Zur Einordnung: In den Labortests von Kiwa PVEL liegt der mittlere Wert bei PERC-Modulen bei -0,32 %, bei TOPCon bei -0,29 %, bei Rückkontaktmodulen bei -0,27 % und bei Heterojunction-Modulen bei -0,26 % je Grad. Je näher der Wert an null liegt, desto weniger Leistung verliert das Modul bei Hitze.

Wie viel Leistung verliert ein Solarmodul bei Hitze?

Bei 65 °C Zelltemperatur und einem Temperaturkoeffizienten von -0,29 % je Grad verliert ein Solarmodul rund 11,6 % seiner Nennleistung. Ein Modul mit 440 Watt liefert dann bei voller Einstrahlung noch rund 389 Watt. Das ist eine eigene Rechnung: 40 Grad über der Normtemperatur von 25 °C mal 0,29 %.

Welche Temperatur erreichen Solarmodule im Sommer?

An einem Sommertag mit 30 °C Lufttemperatur und voller Sonne erreichen die Zellen eines typischen, frei hinterlüfteten Moduls rund 65 °C. Das ergibt die übliche Näherungsformel mit der Betriebstemperatur NOCT von 48 °C. Bei dachintegrierten Modulen ohne Luft im Rücken liegt die Temperatur laut PVEducation oft 10 Grad oder mehr darüber.

Welche Zelltechnologie hat den besten Temperaturkoeffizienten?

Heterojunction-Module, kurz HJT. In den Labortests von Kiwa PVEL erreichen sie im Mittel -0,26 % je Grad, eine Forschungsarbeit um die Hochschule EPFL nennt für Heterojunction-Zellen -0,23 bis -0,29 % je Grad. Danach folgen Rückkontaktmodule mit -0,27 %, TOPCon mit -0,29 % und PERC mit -0,32 % je Grad.

Liefern Solarmodule im Winter mehr als ihre Nennleistung?

Ja, das ist möglich. Liegt die Zelltemperatur unter 25 °C, steigt die Leistung über den Wert aus dem Datenblatt, sofern die Sonne mit voller Stärke scheint. Bei 5 °C Zelltemperatur und -0,29 % je Grad sind es rechnerisch 5,8 % mehr. Im Winter ist die Einstrahlung aber meist schwächer und der Tag kürzer, der Ertrag bleibt deshalb niedriger als im Sommer.

Wie berechnet man den Leistungsverlust durch Temperatur?

Ziehen Sie von der Zelltemperatur 25 °C ab und multiplizieren Sie das Ergebnis mit dem Temperaturkoeffizienten der Leistung. Beispiel: 60 °C minus 25 °C sind 35 Grad, mal -0,29 % ergibt -10,15 %. Ein Modul mit 440 Watt Nennleistung liefert bei voller Einstrahlung dann noch rund 395 Watt.

Welche drei Temperaturkoeffizienten stehen im Datenblatt?

Im Datenblatt stehen die Koeffizienten für die maximale Leistung (Pmax), für die Leerlaufspannung (Uoc oder Voc) und für den Kurzschlussstrom (Isc). Für den Ertrag zählt der Wert der Leistung. Der Wert der Leerlaufspannung wird gebraucht, um die Zahl der Module je Strang für kalte Tage richtig auszulegen.

Lohnt sich ein Aufpreis für einen besseren Temperaturkoeffizienten?

In Deutschland nur begrenzt. Der Unterschied zwischen -0,32 und -0,26 % je Grad macht an einem heißen Tag bei 65 °C Zelltemperatur 2,4 Prozentpunkte Leistung aus. Über das Jahr sind die Module aber meist kühler, der Vorteil fällt entsprechend kleiner aus. Wichtiger wird der Wert bei dachintegrierten Anlagen, schlecht hinterlüfteten Flachdächern und an heißen Standorten.

Fazit

Der Temperaturkoeffizient sagt, wie gut ein Solarmodul Hitze verträgt. An einem Sommertag mit 65 °C Zelltemperatur gehen je nach Modul rund 10 bis 13 % der Nennleistung verloren. Das ist normal und in jeder seriösen Ertragsprognose eingerechnet.

Für die Kaufentscheidung heißt das: Werte um -0,30 % je Grad oder besser sind gut, der Unterschied zwischen den Zelltechnologien ist real, aber klein. Mehr bringt es, die Module kühl zu halten, also für Luft im Rücken zu sorgen. Bei Indach-Anlagen und flach aufliegenden Modulen lohnt der Griff zum besseren Koeffizienten. Wie viel Ertrag Ihr Dach insgesamt liefern kann, zeigt der Solarrechner.

Quellen und Methodik

Die physikalischen Richtwerte und die Angaben zur Betriebstemperatur NOCT stammen aus dem Lehrwerk PVEducation, die Koeffizienten je Zelltechnologie aus den Labormessungen des Prüflabors Kiwa PVEL, die Spanne für Heterojunction-Zellen aus einer Forschungsarbeit von EPFL und CSEM. Alle Zelltemperaturen, Verluste in Prozent, Wattangaben und der Rechner sind eigene Rechnungen mit der üblichen NOCT-Näherungsformel und gelten für frei hinterlüftete Module. Für Dünnschichtmodule lagen keine unabhängigen Messwerte vor, sie fehlen deshalb im Vergleich. Solar.red hat keine eigenen Messungen durchgeführt.

  1. PVEducation (Honsberg, Bowden): Effect of Temperature - Temperaturverhalten von Spannung, Strom und Leistung bei Silizium
  2. PVEducation (Honsberg, Bowden): Nominal Operating Cell Temperature - Messbedingungen und typische Werte von NOCT, Einfluss der Dachintegration
  3. Kiwa PVEL: PV Module Reliability Scorecard, PAN Performance - gemessene Temperaturkoeffizienten nach Zelltechnologie
  4. Cattin, Dupré, Aïssa, Haschke, Ballif, Boccard: Optimized Design of Silicon Heterojunction Solar Cells for Field Operating Conditions - Koeffizienten von Heterojunction-Zellen, Zusammenhang mit der Leerlaufspannung
  5. Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland - Normbedingungen und Performance Ratio

Hinweis: Solar.red steht in keiner geschäftlichen Verbindung mit den genannten Institutionen oder mit Modulherstellern. Rechenbeispiele, Tabellen und Rechner dienen der Orientierung. Temperaturkoeffizienten unterscheiden sich je nach Modul, maßgeblich ist das jeweilige Datenblatt. Für die Planung Ihrer Anlage wenden Sie sich an einen Fachbetrieb.

© Solar.red