Von D. Volbracht
Das Wichtigste in Kürze
Solarreinigung ist das Entfernen von Staub, Pollen, Vogelkot und Bewuchs von Solarmodulen. Auf einem geneigten Wohnhausdach in Deutschland ist sie selten nötig, weil Regen den meisten Schmutz abspült. Sie lohnt sich, wenn Schmutz sichtbar festsitzt oder der Ertrag ohne anderen Grund nachlässt.
- Ertragsverlust durch Schmutz in Deutschland: im Durchschnitt etwa 2 Prozent (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt)
- Ertragsverlust weltweit: im Durchschnitt 4 bis 7 Prozent, trotz regelmäßiger Reinigung (IEA-PVPS, DLR)
- Beispiel: Bei 10.000 Kilowattstunden Jahresertrag sind 2 Prozent 200 Kilowattstunden (eigene Rechnung)
- Schonend reinigen heißt: weiches Wasser, weiche Bürste, kein Hochdruck, keine Scheuermittel
- Größtes Risiko ist nicht der Schmutz, sondern der Sturz vom Dach
Was ist Solarreinigung?
Solarreinigung ist die Reinigung der Glasflächen von Photovoltaikmodulen oder Solarthermie-Kollektoren. Entfernt wird alles, was Licht abhält: Staub, Pollen, Ruß, Laub, Vogelkot, Moos und Flechten. Das Fachwort für diese Verschmutzung ist Soiling. Das internationale Forschungsprogramm IEA-PVPS versteht darunter die Ansammlung von Staub, Schadstoffen und biologischen Rückständen auf den Modulen.
Die Reinigung ist ein Teil der Wartung einer Solaranlage, aber kein Pflichttermin. Ob sie nötig ist, hängt vom Standort ab. Dieselbe Anlage kann auf einem Wohnhaus jahrelang ohne Reinigung auskommen und auf einem Stalldach jedes Jahr eine brauchen.
Wie viel Ertrag kostet Schmutz?
Schmutz kostet eine Solaranlage in Deutschland im Durchschnitt etwa zwei Prozent des Ertrags. Diesen Wert nennt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es weist darauf hin, dass Regen allein die Module nicht vollständig reinigt. Weltweit liegt der Verlust nach Angaben von DLR und IEA-PVPS im Durchschnitt bei vier bis sieben Prozent, und das trotz regelmäßiger Reinigung.
Der Durchschnitt sagt wenig über die einzelne Anlage. Laut DLR hängt die Verschmutzung vom Standort, von der Art der Anlage und von ihrer Ausrichtung ab. Drei Dinge machen den Unterschied:
- Die Umgebung: Ställe, Felder, Schornsteine, Bahnlinien und viel befahrene Straßen liefern Staub und Ruß. Bäume liefern Pollen, Laub und Harz.
- Die Neigung: Von steilen Modulen läuft Regenwasser schnell ab und nimmt Schmutz mit. Auf flachen Modulen bleibt es stehen. Der IEA-PVPS-Bericht stellt fest, dass sich Schmutz vor allem am unteren Modulrand sammelt.
- Die Feuchtigkeit: Tau fördert die Ablagerung. Staub, der immer wieder feucht wird und trocknet, verbackt zu einer festen Schicht, die Regen nicht mehr löst.
Warum einzelne Flecken schlimmer sind als ein Staubschleier
Ein gleichmäßiger Staubfilm dimmt das Licht für alle Zellen gleich. Ein Klecks Vogelkot oder ein Blatt verdeckt dagegen einzelne Zellen ganz. Weil die Zellen eines Moduls hintereinandergeschaltet sind, bremst die verdeckte Zelle die anderen aus. Sie kann sich dabei stark erwärmen, das nennt man Hot Spot. Schutz bieten die Bypass-Dioden im Modul. Der Effekt ist derselbe wie bei einer Verschattung.
Wann lohnt sich eine Solarreinigung?
Eine Solarreinigung lohnt sich, wenn der Strom, den der Schmutz kostet, mehr wert ist als die Reinigung. Bei einer durchschnittlich verschmutzten Anlage auf einem Wohnhaus ist das selten der Fall. Ein Beispiel: Liefert die Anlage 10.000 Kilowattstunden im Jahr, sind zwei Prozent Verlust 200 Kilowattstunden. Bewertet mit angenommenen 30 Cent je Kilowattstunde sind das 60 Euro im Jahr.
Anders sieht es aus, wenn die Anlage deutlich stärker verschmutzt ist als der Durchschnitt. Mit dem Rechner können Sie Ihre eigenen Zahlen einsetzen. Den Verlust in Prozent kennen Sie am ehesten aus dem Vergleich mit früheren Jahren oder aus der Performance Ratio Ihrer Anlage.
Rechner: Was kostet der Schmutz im Jahr?
Bei diesen Werten rechnet sich die Reinigung nur, wenn die Module danach mehrere Jahre sauber bleiben.
Vereinfachte Rechnung. Sie nimmt an, dass die Reinigung den gesamten Verlust beseitigt und die Module bis zum Ende des Zeitraums sauber bleiben. Die Vorgabewerte sind Beispiele, keine Marktpreise.
Welcher Strompreis in die Rechnung gehört, hängt davon ab, was mit dem Strom passiert wäre. Strom für den Eigenverbrauch ist so viel wert wie der Netzstrom, den er ersetzt. Eingespeister Strom ist nur die Einspeisevergütung wert. Das IEA-PVPS hält dazu fest: Je niedriger der Strompreis, desto weniger lohnt sich das Reinigen.
Ein sinkender Ertrag hat oft andere Gründe als Schmutz: ein neuer Schatten, ein defektes Modul, ein Fehler am Wechselrichter oder schlicht ein trüberes Jahr. Schauen Sie sich die Module an, bevor Sie eine Reinigung bestellen. Sehen sie sauber aus, liegt es nicht am Schmutz.
Wie oft sollte eine PV-Anlage gereinigt werden?
Eine PV-Anlage sollte nicht nach Kalender gereinigt werden, sondern nach Bedarf. Ein fester Rhythmus, wie ihn Reinigungsbetriebe gern empfehlen, ist für die meisten Wohnhäuser nicht belegt. Fachleute für große Solarparks arbeiten laut IEA-PVPS mit Modellen, die den besten Zeitpunkt aus Ertrag, Reinigungskosten und Messwerten berechnen. Für das eigene Dach reichen drei einfache Zeichen.
| Beobachtung | Bedeutung | Was tun |
|---|---|---|
| Leichter Staub, nach Regen weg | Normal, kein Ertragsproblem | Nichts |
| Grauer Rand am unteren Modulrahmen | Schmutz sammelt sich, wo Wasser stehen bleibt | Beobachten, bei Zunahme abspülen |
| Vogelkot, Laub, einzelne Flecken | Einzelne Zellen sind verdeckt | Bald entfernen |
| Moos oder Flechten | Bewuchs sitzt fest und breitet sich aus | Vom Fachbetrieb entfernen lassen |
| Ertrag sinkt ohne erkennbaren Grund | Kann Schmutz sein, kann ein Defekt sein | Erst Ursache prüfen, dann reinigen |
Häufiger hinsehen sollten Sie bei flach liegenden Modulen, etwa auf dem Flachdach, und bei Anlagen neben Ställen, Feldern oder Industrie. Je steiler der Neigungswinkel, desto mehr Arbeit nimmt Ihnen der Regen ab.
Wie werden Solarmodule gereinigt?
Solarmodule werden mit Wasser und weichen Bürsten gereinigt, von Hand oder mit Maschinen. Der IEA-PVPS-Bericht nennt als gängige Verfahren nasse und trockene Bürsten sowie Reinigungsroboter. Auf Wohnhäusern ist die Handreinigung mit einer wasserführenden Teleskopstange üblich.
| Verfahren | Geeignet für | Zu beachten |
|---|---|---|
| Teleskopstange mit Bürste und Wasser | Wohnhäuser, kleine Gewerbedächer | Arbeiten vom Boden oder sicheren Standplatz aus |
| Rotierende Bürsten am Fahrzeug oder Kran | Große Dächer, Hallen | Sache für Fachbetriebe |
| Reinigungsroboter | Große, zusammenhängende Modulflächen | Muss zum Modul und zum Montagesystem passen |
| Trockenreinigung | Regionen mit Wassermangel | Höhere Gefahr von Kratzern durch Sand |
Gereinigt wird mit entmineralisiertem Wasser. Es enthält keinen Kalk und trocknet deshalb ohne Flecken ab. Reinigungsmittel sind meist überflüssig. Wenn doch eines nötig ist, dann nur ein vom Modulhersteller freigegebenes.
Hochdruckreiniger, harte Bürsten, Scheuermittel, Klingen und heißer Dampf können Glas, Dichtungen und Rahmen beschädigen. Besonders empfindlich ist die hauchdünne Antireflexbeschichtung auf dem Glas. Ist sie verkratzt, verliert das Modul dauerhaft Ertrag. Die Reinigungsanleitung des Herstellers geht jeder allgemeinen Empfehlung vor.
Solarmodule selbst reinigen: so geht es
Selbst reinigen können Sie Ihre Solarmodule, wenn Sie sie erreichen, ohne das Dach zu betreten. Das ist bei Garagen, Carports, Balkonanlagen und niedrigen Dächern oft möglich. Für alles andere gilt: Finger weg. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt für Arbeiten an Photovoltaikanlagen zwei Gefahren, den Absturz von der Dachfläche und elektrische Gefährdungen.
- Anleitung lesen: In der Montage- oder Reinigungsanleitung Ihrer Module steht, was erlaubt ist.
- Zeitpunkt wählen: Früher Morgen, Abend oder bedeckter Himmel. Die Module sollen kühl sein.
- Vorspülen: Losen Staub und Sand mit viel Wasser abspülen, bevor die Bürste das Glas berührt. So vermeiden Sie Kratzer.
- Sanft bürsten: Mit weicher Bürste und wenig Druck arbeiten. Festsitzenden Vogelkot einweichen, nicht abkratzen.
- Nachspülen: Mit entmineralisiertem Wasser nachspülen und an der Luft trocknen lassen.
- Ertrag vergleichen: Notieren Sie den Ertrag an ähnlichen Sonnentagen vor und nach der Reinigung. So sehen Sie, was es gebracht hat.
Solarmodule erzeugen Strom, sobald Licht darauf fällt. Abschalten lässt sich das nicht. Berühren Sie deshalb keine Stecker und Kabel, und reinigen Sie keine Module mit gebrochenem Glas oder beschädigten Leitungen. In diesem Fall rufen Sie Ihren Installateur.
Worauf sollten Sie bei einem Fachbetrieb achten?
Bei einem Fachbetrieb sollten Sie auf drei Dinge achten: das Verfahren, die Sicherheit und die Haftung. Der Beruf ist nicht geschützt, die Qualität schwankt entsprechend. Ein guter Betrieb erklärt, wie er arbeitet, bevor er aufs Dach geht.
- Verfahren: Fragen Sie nach Wasser, Bürsten und Reinigungsmitteln. Die Antwort sollte zu den Vorgaben Ihres Modulherstellers passen.
- Dach wird nicht betreten: Niemand sollte auf den Modulen stehen oder laufen. Das kann unsichtbare Risse in den Zellen verursachen.
- Absturzsicherung: Arbeiten auf dem Dach brauchen eine Sicherung oder eine Hebebühne.
- Haftpflicht: Lassen Sie sich die Betriebshaftpflicht bestätigen. Klären Sie mit Ihrer Photovoltaik-Versicherung, ob Reinigungsschäden gedeckt sind.
- Festes Angebot: Verlangen Sie einen Preis für die gesamte Anlage einschließlich Anfahrt, nicht nur einen Quadratmeterpreis.
- Nachweis: Fotos vorher und nachher helfen, falls später ein Schaden auffällt.
Schauen Sie vor dem Auftrag in die Bedingungen Ihrer Produktgarantie und Leistungsgarantie. Manche Hersteller schreiben vor, wie gereinigt werden darf. Ein Schaden durch ein nicht freigegebenes Verfahren ist dann Ihr Risiko.
Häufige Fragen zur Solarreinigung
Was bringt eine Solarreinigung?
Eine Solarreinigung holt den Ertrag zurück, den Schmutz auf den Modulen kostet. In Deutschland sind das laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Durchschnitt etwa zwei Prozent. Bei stark verschmutzten Anlagen, etwa auf Ställen oder flachen Dächern, kann es deutlich mehr sein.
Was kostet eine Solarreinigung?
Einen festen Preis gibt es nicht. Betriebe rechnen meist nach Quadratmetern Modulfläche ab, dazu kommen Anfahrt, Zugang zum Dach und der Grad der Verschmutzung. Holen Sie zwei bis drei Angebote ein und vergleichen Sie den Preis mit dem Wert des Stroms, den der Schmutz kostet.
Wie oft sollte man eine Solaranlage reinigen lassen?
Einen festen Rhythmus braucht eine Solaranlage nicht. Gereinigt wird, wenn Schmutz sichtbar festsitzt oder der Ertrag ohne anderen Grund nachlässt. Auf einem geneigten Wohnhausdach in normaler Lage kann das viele Jahre dauern, neben einem Stall oder an einer staubigen Straße deutlich kürzer.
Wie reinigt man am besten Solaranlagen?
Am schonendsten mit viel weichem, kalkarmem Wasser und einer weichen Bürste an einer Teleskopstange, vom Boden oder von einem sicheren Standplatz aus. Scheuermittel, harte Bürsten und Hochdruckreiniger sind tabu. Maßgeblich ist die Reinigungsanleitung des Modulherstellers.
Darf man Solarmodule mit dem Hochdruckreiniger reinigen?
Nein, davon ist abzuraten. Der Wasserstrahl kann Dichtungen, Rahmen und die Beschichtung des Glases beschädigen. Viele Hersteller schließen Hochdruckreiniger in ihren Reinigungsanleitungen aus, ein Schaden wäre dann nicht von der Garantie gedeckt.
Kann ich meine Solaranlage selbst reinigen?
Ja, wenn Sie die Module vom Boden, vom Balkon oder aus einem Dachfenster sicher erreichen. Aufs Dach sollten Sie dafür nicht steigen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt für Arbeiten an Solaranlagen auf Dächern die Absturzgefahr als wichtigstes Risiko.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Solarreinigung?
Am besten im Frühjahr nach dem Pollenflug, vor den ertragreichen Sommermonaten. Reinigen Sie am frühen Morgen, am Abend oder bei bedecktem Himmel. Kaltes Wasser auf sonnenheißem Glas kann Spannungen erzeugen und trocknet zu Flecken auf.
Muss ich nach Saharastaub reinigen?
Meistens nicht. Kräftiger Regen spült frischen Staub von geneigten Modulen weitgehend ab. Bleibt nach einigen Regentagen ein sichtbarer Belag, vor allem am unteren Modulrand, lohnt sich ein Abspülen mit weichem Wasser.
Fazit
Die meisten Solaranlagen auf Wohnhäusern brauchen keine regelmäßige Reinigung. Der Regen erledigt das Gröbste, und der durchschnittliche Verlust durch Schmutz ist in Deutschland klein. Wer jedes Jahr reinigen lässt, zahlt oft mehr, als der zusätzliche Strom wert ist.
Schauen Sie stattdessen ein- bis zweimal im Jahr hin. Sitzt Schmutz sichtbar fest, wächst Moos oder kleben Flecken auf einzelnen Zellen, dann lohnt sich die Reinigung. Machen Sie es schonend oder lassen Sie es machen, und steigen Sie dafür nicht selbst aufs Dach.
Quellen und Methodik
Die Verlustwerte stammen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und vom Forschungsprogramm IEA-PVPS der Internationalen Energieagentur, die Sicherheitshinweise von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Rechenbeispiel und Rechner sind eigene Rechnungen mit Beispielwerten. Die Hinweise zum schonenden Reinigen fassen übliche Herstellervorgaben zusammen. Solar.red hat keine Reinigungsverfahren getestet.
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Verschmutzungsverluste - Ertragsminderung in Deutschland und weltweit, Einflussfaktoren
- IEA-PVPS Task 13: Soiling Losses, Executive Summary - Entstehung der Verschmutzung, Reinigungsverfahren, Wirtschaftlichkeit
- IEA-PVPS: Fact Sheet Soiling Losses - Definition, weltweiter Durchschnitt
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: DGUV Information 203-080, Montage und Instandhaltung von Photovoltaik-Anlagen - Absturzgefahr, elektrische Gefährdung
Hinweis: Dieser Beitrag dient der unabhängigen Information. Der Rechner liefert eine vereinfachte Schätzung. Maßgeblich für die Reinigung sind die Vorgaben des Modulherstellers. Arbeiten auf dem Dach gehören in die Hand von Fachleuten. Solar.red steht in keiner Verbindung zu den genannten Einrichtungen. Über die Anzeigen auf dieser Seite werden Anfragen an Fachbetriebe vermittelt, dafür erhält Solar.red eine Vergütung.
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