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Das Wichtigste in Kürze

Ein Hot-Spot ist eine Stelle im Solarmodul, die deutlich heißer wird als ihre Umgebung. Er entsteht, wenn eine Zelle weniger Strom liefert als ihre Nachbarn und deren Leistung als Wärme aufnehmen muss. Auslöser sind Schatten, Schmutz, Zellbrüche, schlechte Lötstellen oder eine defekte Bypass-Diode.

  • Normale Unterschiede im Modul: 3 bis 5 Kelvin laut Internationaler Energieagentur
  • Hot-Spot: Vielfache von 10 Kelvin wärmer als die Umgebung
  • Sicherste Erkennung: Wärmebild bei mehr als 600 W/m² Einstrahlung, ohne Wolken, bei wenig Wind
  • Schutz im Modul: Bypass-Dioden, bei Siliziumzellen höchstens etwa 15 Zellen je Diode
  • Brandrisiko: 0,006 % der Anlagen verursachten laut Fraunhofer ISE einen Brand mit größerem Schaden
  • Wichtigster Zeitpunkt für ein Wärmebild: die Inbetriebnahme, als Beleg für spätere Garantieansprüche

Was ist ein Hot-Spot?

Ein Hot-Spot ist eine eng begrenzte Stelle in einem Solarmodul, die im Betrieb deutlich heißer wird als die Zellen daneben. Die betroffene Zelle erzeugt dann keinen Strom mehr, sondern verbraucht ihn und wandelt ihn in Wärme um.

Der Begriff beschreibt einen Fehlerzustand, keine Bauart. Er kann bei jedem Modultyp auftreten, bei kristallinen Modulen ebenso wie bei Dünnschichtmodulen. Bei Dünnschichtmodulen führt die Internationale Energieagentur Hot-Spots durch innere Kurzschlüsse sogar als eigene Fehlerart.

Kleine Temperaturunterschiede sind normal. Innerhalb eines Moduls liegen sie laut Internationaler Energieagentur bei 3 bis 5 Kelvin, über etwa 8 m Dachfläche bei bis zu 13 Kelvin. Der Grund ist die Luft, die unterschiedlich gut an den Modulen vorbeistreicht. Ein Hot-Spot hebt sich davon klar ab: Er kann um Vielfache von 10 Kelvin wärmer sein als seine Umgebung.

Temperaturunterschiede: normal oder Hot-Spot?
Innerhalb eines Moduls
3 bis 5 K
Über 8 m Dachfläche
bis 13 K
Hot-Spot
20 K und mehr
Werte laut Internationaler Energieagentur. Ein Unterschied von 1 Kelvin entspricht 1 Grad Celsius. Der Balken für den Hot-Spot zeigt die Größenordnung, nach oben ist er offen.

Wie entsteht ein Hot-Spot?

Ein Hot-Spot entsteht, wenn eine Zelle weniger Strom liefern kann als die anderen Zellen in ihrer Reihe. Die Zellen eines Moduls sind in Reihe geschaltet. Durch jede Zelle muss also derselbe Strom fließen, wie durch die Glieder einer Kette.

Liegt eine Zelle im Schatten oder ist sie beschädigt, wird sie zum Engpass. Die übrigen Zellen drücken ihren Strom trotzdem hindurch. Die schwache Zelle wird dabei in Sperrrichtung betrieben, Fachleute sprechen von Rückwärtsspannung. Statt Strom zu erzeugen, nimmt sie Leistung auf und heizt sich auf.

Wie viel Leistung das sein kann, beschreibt das Lehrwerk PVEducation: Die verschattete Zelle muss im ungünstigsten Fall ungefähr so viel Leistung als Wärme abführen, wie alle Zellen ihrer Gruppe zusammen erzeugen können.

Schritt 1Zelle wird schwächerSchatten, Schmutz oder Bruch
Schritt 2Nachbarn drücken Strom durchReihenschaltung erzwingt gleichen Strom
Schritt 3Zelle gerät in Sperrrichtungsie verbraucht Leistung
Schritt 4Stelle wird heißHot-Spot
Schutz: Die Bypass-Diode leitet den Strom an der betroffenen Zellgruppe vorbei
So wird aus einer schwachen Zelle ein Hot-Spot.

In manchen Fällen verstärkt sich der Vorgang selbst. Die Wärme bündelt den Strom auf eine immer kleinere Fläche, und die wird noch heißer. Die Internationale Energieagentur beschreibt das als thermisches Durchgehen, an dessen Ende ein Brandfleck auf der Zelle oder der Rückseitenfolie steht.

Ursachen im Überblick

Hot-Spots haben zwei Gruppen von Ursachen: Einflüsse von außen wie Schatten und Schmutz sowie Fehler im Modul selbst. Die äußeren Ursachen lassen sich meist ohne Werkzeug beheben, die inneren nicht.

Von außen
  • Teilverschattung durch Schornstein, Gaube, Antenne oder Baum
  • Vogelkot, Laub und festsitzender Schmutz
  • Blitzeinschlag in der Nähe, der Bypass-Dioden zerstört
  • Glasbruch durch Hagel, zu fest angezogene Klemmen oder Last
Im Modul
  • Zellbrüche und Mikrorisse aus Transport oder Montage
  • Ermüdete Lötstellen und gebrochene Zellverbinder
  • Defekte oder nicht angeschlossene Bypass-Diode
  • Innere Kurzschlüsse in einzelnen Zellen

Zellbrüche sind tückisch, weil man sie nicht sieht. Laut Internationaler Energieagentur lassen sie sich oft nicht einmal durch eine Leistungsmessung direkt nach dem Schaden nachweisen. Kritisch wird es, wenn durch den Bruch ein Teil der Zelle vom Stromkreis getrennt ist. Ab mehr als 8 % abgetrennter Zellfläche besteht nach dem Bericht die Gefahr eines Hot-Spots.

Lötstellen altern durch den täglichen Wechsel von warm und kalt. Beginnt eine Verbindung zu versagen, steigt ihr Widerstand, und die Stelle erwärmt sich, solange Strom fließt. Das kann so weit gehen, dass sich die Folie auf Vorder- oder Rückseite verfärbt.

Gegenstand auf dem Modul: Wie schnell wird es kritisch?

Ein Blatt, das der nächste Wind mitnimmt, ist kein Problem. Die Bypass-Diode fängt solche kurzen Schatten ab. Riskant sind Schatten und Verschmutzungen, die über lange Zeit an derselben Stelle bleiben. Die Internationale Energieagentur nennt ausdrücklich Vogelkot: Bleibt er lange liegen, können einzelne Zellen dauerhaft heiß werden und das Modul beschädigen.

Folgen für Ertrag und Modul

Ein Hot-Spot kostet zuerst Ertrag und schädigt auf Dauer das Material. Wie stark, hängt von der Ursache ab. Eine feste Prozentzahl gibt es nicht, und seriöse Quellen nennen auch keine.

Springt die Bypass-Diode an, fällt die betroffene Zellgruppe aus. Ein übliches Modul hat drei solcher Gruppen. Die Internationale Energieagentur zeigt an einem Beispiel, dass die Spannung des Moduls dann um ein Drittel sinkt. Der Rest des Moduls und des Strangs arbeitet weiter.

Springt die Diode nicht an, weil sie defekt ist, bleibt die Zelle der vollen Belastung ausgesetzt. Dann drohen laut Bericht Verfärbungen, Brandflecken und im schlimmsten Fall ein Brand. Auch Glasbruch und Hot-Spot hängen zusammen: Ein gebrochenes Glas verursacht Hot-Spots, und Feuchtigkeit dringt ein.

Tabelle seitlich scrollen
Folgen eines Hot-Spots nach Schwere (Einordnung von Solar.red auf Grundlage der Berichte der Internationalen Energieagentur)
StufeWas passiertWas zu tun ist
VorübergehendSchatten oder Schmutz, Diode leitet um, Ertrag sinkt zeitweiseUrsache entfernen, beobachten
Dauerhaft warmZelle bleibt auffällig, Material altert schnellerWärmebild, Ursache klären lassen
Sichtbarer SchadenVerfärbung oder Brandfleck auf Zelle oder RückseiteFachbetrieb rufen, Modul prüfen lassen
Diode defekt und SchattenZellgruppe ungeschützt, hohe Temperaturen möglichZeitnah handeln, Modul tauschen lassen

Nicht jede Auffälligkeit führt zu einem Schaden. Die Internationale Energieagentur hält fest, dass im Wärmebild gefundene Fehler nicht zwangsläufig Leistung kosten. Sie können sich aber in den folgenden Jahren dazu entwickeln. Wie Module über die Jahre an Leistung verlieren, erklärt der Beitrag zur Degradation.

Wie groß ist die Brandgefahr?

Ein Hot-Spot kann einen Brand auslösen, aber das geschieht sehr selten. Nach einer Auswertung des Fraunhofer ISE verursachten 0,006 % der Photovoltaikanlagen einen Brand mit größerem Schaden.

350
Brände mit beteiligter Solaranlage in 20 Jahren
120
davon von der Anlage ausgelöst
75
davon mit größerem Schaden
10
davon mit abgebranntem Gebäude

Zahlen aus einer Auswertung des Fraunhofer ISE für Deutschland, zitiert in der Studie Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.

Bestimmte Fehler in stromführenden Teilen können laut Fraunhofer ISE zu Lichtbögen oder kritischen Hot-Spots in einzelnen Zellen führen. Liegt brennbares Material in unmittelbarer Nähe, etwa Dachpappe oder Holz, kann ein Feuer entstehen. Brandquelle waren aber meist fehlerhafte Kabel und Steckverbindungen, nicht die Zellen.

Der gemeinsame Leitfaden von TÜV Rheinland und Fraunhofer ISE schätzt grob, dass je etwa ein Drittel der Schadensfälle auf Fehler der Bauteile, der Planung und der Installation zurückging. Zwei von drei Ursachen entstehen demnach nicht in der Fabrik, sondern bei Planung und Montage.

Einordnung

Photovoltaikanlagen haben laut Fraunhofer ISE im Vergleich zu anderen technischen Anlagen kein besonders erhöhtes Brandrisiko. Den besten Brandschutz sieht das Institut darin, dass qualifizierte Fachkräfte die bestehenden Regeln einhalten. Viele Wechselrichter erkennen Lichtbögen selbst und unterbrechen dann den Gleichstrom.

Hot-Spots erkennen

Am sichersten zeigt ein Wärmebild einen Hot-Spot, also eine Aufnahme mit einer Infrarotkamera. Das Verfahren heißt Thermografie. Vier weitere Anzeichen können Sie selbst bemerken, sie sind aber weniger eindeutig.

Tabelle seitlich scrollen
Wege, einen Hot-Spot zu erkennen (Einordnung von Solar.red, Verfahren nach Internationaler Energieagentur)
MethodeWas sie zeigtGrenzen
WärmebildHeiße Zellen, Zellgruppen und AnschlussdosenBraucht Sonne und ruhiges Wetter
SichtprüfungBrandflecken, Verfärbungen, Glasbruch, SchmutzZeigt erst fortgeschrittene Schäden
ErtragsüberwachungStrang oder Modul liefert weniger als erwartetNennt keine Ursache
Reif oder SchneeEinzelne Zellen tauen sichtbar früher abNur ein Hinweis, nur im Winter
ElektrolumineszenzZellbrüche und abgetrennte ZellteileAufwendig, Sache des Gutachters

Für ein aussagekräftiges Wärmebild nennt die Internationale Energieagentur klare Bedingungen. Die Einstrahlung soll über 600 W/m² liegen, der Himmel wolkenlos sein, der Wind schwach und die Lufttemperatur stabil. Das entspricht einem sonnigen, ruhigen Tag um die Mittagszeit.

Der Grund: Ein Modul braucht 5 bis 15 Minuten, bis sich seine Temperatur nach einer Wetteränderung eingependelt hat. Zieht eine Wolke durch, stimmt das Bild nicht mehr. Wolken, Bäume und Gebäude können sich außerdem im Glas spiegeln und im Bild wie warme Stellen aussehen.

Bei großen Anlagen fliegt eine Drohne die Module ab. Die Internationale Energieagentur nennt als Beispiel eine Anlage mit 4 Megawatt: Mit der Handkamera dauert die Prüfung etwa 15 bis 20 Stunden, mit der Drohne etwa 5 bis 10 Stunden. Auf dem Einfamilienhaus hilft die Drohne vor allem, weil niemand aufs Dach muss. Für solche Messungen im Freien gibt es mit der IEC TS 62446-3 eine eigene technische Regel.

Die Wechselrichter vieler Anlagen zeichnen den Ertrag je Strang auf. Fällt ein Strang gegenüber einem gleich ausgerichteten Nachbarn dauerhaft ab, lohnt der genaue Blick. Noch feiner messen Leistungsoptimierer, die jedes Modul einzeln überwachen.

Wärmebilder richtig deuten

Das Muster im Wärmebild verrät die wahrscheinliche Ursache. Eine einzelne heiße Zelle bedeutet etwas anderes als ein warmer Streifen oder ein ganzes warmes Modul. Die folgende Übersicht fasst die Muster zusammen, die die Internationale Energieagentur für Messungen im Freien beschreibt.

Tabelle seitlich scrollen
Typische Muster im Wärmebild und ihre Bedeutung laut Internationaler Energieagentur
MusterWahrscheinliche UrsacheBedeutung
Ganzes Modul wärmerModul ist nicht angeschlossenModul meist in Ordnung, Verkabelung prüfen
Eine Zellreihe wärmerBypass-Diode kurzgeschlossen oder innerer KurzschlussLeistung dieser Zellgruppe fehlt
Einzelne Zelle punktförmig heißTeilschatten, etwa Vogelkot, oder ZellbruchErst reinigen, dann erneut messen
Zellgruppe bei Schatten auffallend heißBypass-Diode fehlt oder ist unterbrochenErnste Brandgefahr möglich, zeitnah handeln
Ein Wärmebild ist kein Urteil

Schatten, Schmutz und Spiegelungen erzeugen Muster, die wie Defekte aussehen. Die Internationale Energieagentur nennt die Deutung von Wärmebildern ausdrücklich nicht trivial. Ein Befund gehört deshalb in die Hand einer Fachkraft, die das Bild mit elektrischen Messungen und den Ertragsdaten abgleicht.

Schutz und Vorbeugung

Der wichtigste Schutz gegen Hot-Spots ist bereits im Modul eingebaut: die Bypass-Diode. Sie sitzt in der Anschlussdose auf der Rückseite und überbrückt eine Zellgruppe, sobald darin eine Zelle zum Engpass wird.

Eine Diode für jede Zelle wäre zu teuer, erklärt das Lehrwerk PVEducation. Deshalb schützt eine Diode eine ganze Gruppe. Bei Siliziumzellen sind es höchstens etwa 15 Zellen je Diode. Je kleiner die Gruppe, desto weniger Leistung kann in einer schwachen Zelle zu Wärme werden.

Die Diode ist allerdings selbst ein Bauteil, das ausfallen kann. Laut Internationaler Energieagentur reagieren die üblichen Dioden empfindlich auf elektrostatische Entladungen und mechanische Belastung. Ein Defekt fällt lange nicht auf, weil die Diode nur bei Schatten oder Zellschäden gebraucht wird.

Was eine Feldstudie zeigt

Die Internationale Energieagentur zitiert eine Untersuchung an 1.272 Modulen eines Typs nach rund vier Jahren Betrieb. 47 % der Module hatten mindestens eine defekte Bypass-Diode. Brandflecken fanden sich ausschließlich an Zellgruppen mit defekter Diode, und alle betroffenen Module lagen zeitweise im Schatten. Der Bericht nennt die Studie ausdrücklich nicht repräsentativ. Sie zeigt aber, wie Hot-Spots entstehen: durch defekte Diode und Schatten zusammen.

Die Bauart des Moduls spielt ebenfalls eine Rolle. Halbzellen-Module teilen jede Zelle in zwei Hälften, durch jede Hälfte fließt nur der halbe Strom. Das Modul besteht zudem aus einer oberen und einer unteren Hälfte, die getrennt arbeiten. Fällt Schatten nur auf den unteren Rand, liefert die obere Hälfte weiter. Das mindert die Belastung, ersetzt aber weder Dioden noch Wartung.

Was Sie selbst beeinflussen können, beginnt bei der Planung. Die folgenden Punkte sind Empfehlungen von Solar.red auf Grundlage der genannten Berichte.

  • Schattenwurf von Schornstein, Gaube und Bäumen schon bei der Belegung des Dachs berücksichtigen
  • Module vor der Montage nicht betreten, nicht fallen lassen und nicht auf der Kante abstellen
  • Klemmen nach Vorgabe des Herstellers setzen, damit das Glas nicht unter Spannung gerät
  • Hartnäckigen Schmutz wie Vogelkot entfernen, siehe Solarreinigung
  • Äußeren Blitzschutz und Überspannungsschutz abstimmen, siehe Blitzschutz für die PV-Anlage
  • Zur Inbetriebnahme ein Wärmebild anfertigen lassen und aufbewahren

Der letzte Punkt stammt direkt aus dem Bericht der Internationalen Energieagentur. Für spätere Garantieansprüche soll das erste Wärmebild bei der Inbetriebnahme entstehen. Später lässt sich oft schwer klären, ob ein Schaden auf einen Fehler ab Werk oder auf fehlende Reinigung und Wartung zurückgeht.

Praxis: Was tun bei Verdacht?

Bei Verdacht auf einen Hot-Spot gilt eine feste Reihenfolge: erst die einfache Ursache ausschließen, dann messen lassen, dann über Reparatur oder Garantie entscheiden. So vermeiden Sie einen teuren Einsatz wegen eines Blattes.

  1. Vom Boden aus schauenLiegt etwas auf dem Modul? Fällt ein Schatten immer auf dieselbe Stelle?
  2. Ertrag vergleichenLiefert ein Strang dauerhaft weniger als ein gleich ausgerichteter?
  3. Wärmebild beauftragenAn einem sonnigen, ruhigen Tag, mit schriftlichem Befund.
  4. Befund einordnenReinigen, reparieren oder Garantiefall melden.

Ein Beispiel: Auf einem Dach liefert der westliche Strang seit Wochen weniger als der östliche, obwohl beide gleich groß sind. Vom Garten aus ist am unteren Rand eines Moduls eine dunkle Stelle zu sehen. Das Wärmebild zeigt dort eine einzelne heiße Zelle. Nach der Reinigung ist die Zelle unauffällig. Die Ursache war Vogelkot, das Modul ist in Ordnung.

Zeigt das zweite Wärmebild die Stelle weiterhin, liegt der Fehler im Modul. Dann zählt der schriftliche Befund. Mit ihm wenden Sie sich an den Installateur und prüfen die Produktgarantie des Herstellers. Bei einem Schaden durch Hagel, Sturm oder Blitz ist die Photovoltaik-Versicherung der richtige Ansprechpartner.

Nicht selbst aufs Dach, nichts selbst abklemmen

Solange Licht auf die Module fällt, erzeugen sie Spannung, darauf weist das Fraunhofer ISE hin. Standardmodule lassen sich nicht einfach abschalten. Steckverbindungen dürfen nicht unter Last getrennt werden, weil dabei ein Lichtbogen entstehen kann. Bei Brandgeruch, Rauch oder Schmorspuren rufen Sie die Feuerwehr und danach den Fachbetrieb.

Wie oft eine Anlage geprüft werden sollte und was dazugehört, beschreibt der Beitrag zur Wartung der Solaranlage.

Häufige Fragen zum Hot-Spot

Was ist ein Hot-Spot einfach erklärt?

Ein Hot-Spot ist eine Stelle im Solarmodul, die deutlich heißer wird als ihre Umgebung. Er entsteht, wenn eine Zelle weniger Strom liefert als die anderen Zellen in ihrer Reihe, zum Beispiel durch Schatten oder einen Zellbruch. Die schwache Zelle nimmt dann die Leistung ihrer Nachbarn auf und wandelt sie in Wärme um.

Wie erkennt man einen Hot-Spot im Solarmodul?

Am sichersten zeigt ihn ein Wärmebild mit einer Infrarotkamera. Die Internationale Energieagentur empfiehlt dafür mehr als 600 Watt Einstrahlung je Quadratmeter, einen wolkenlosen Himmel und wenig Wind. Weitere Hinweise sind Brandflecken oder Verfärbungen auf dem Modul, ein dauerhaft schwächerer Strang in der Ertragsüberwachung und einzelne Zellen, auf denen Reif oder Schnee früher abtaut.

Können Hot-Spots einen Brand verursachen?

Ja, aber das ist sehr selten. Laut Fraunhofer ISE können kritische Hot-Spots ein Feuer auslösen, wenn brennbares Material wie Dachpappe oder Holz in unmittelbarer Nähe liegt. Nach einer Auswertung des Instituts verursachten 0,006 Prozent der Photovoltaikanlagen einen Brand mit größerem Schaden. Brandquelle waren meist fehlerhafte Kabel und Steckverbindungen.

Schützen Bypass-Dioden zuverlässig vor Hot-Spots?

Bypass-Dioden leiten den Strom an einer Zellgruppe vorbei, sobald darin eine Zelle zum Engpass wird. Das begrenzt die Erwärmung in den meisten Fällen. Die Dioden können aber selbst ausfallen, etwa durch Überspannung bei einem Blitzeinschlag. Ein Defekt bleibt oft lange unbemerkt, weil die Diode nur bei Schatten oder Zellschäden gebraucht wird.

Muss ein Modul mit Hot-Spot getauscht werden?

Nicht immer. Verschwindet die heiße Stelle nach dem Entfernen von Schmutz oder Schatten, ist das Modul in Ordnung. Bleibt sie bestehen oder zeigt das Modul Brandflecken, sollte eine Fachkraft es prüfen. Ist eine Bypass-Diode defekt und das Modul zeitweise verschattet, sollte es zeitnah ersetzt oder repariert werden.

Ist ein Hot-Spot ein Garantiefall?

Das hängt von der Ursache ab. Geht der Hot-Spot auf einen Material- oder Fertigungsfehler zurück, kommt die Produktgarantie des Herstellers in Betracht. Schäden durch Schmutz, Schatten oder fehlerhafte Montage sind davon meist nicht erfasst. Hilfreich ist ein Wärmebild von der Inbetriebnahme, das den Zustand der Module bei Übergabe belegt.

Können Hot-Spots auch an einem Balkonkraftwerk entstehen?

Ja. Ein Balkonkraftwerk nutzt dieselben Module wie eine Dachanlage, und am Balkon sind Teilschatten durch Geländer, Blumenkästen oder Markisen häufig. Die Bypass-Dioden im Modul fangen solche Schatten ab. Achten Sie darauf, dass kein Gegenstand dauerhaft einen Teil des Moduls abdeckt.

Sind Halbzellen-Module weniger anfällig für Hot-Spots?

Halbzellen-Module teilen jede Zelle in zwei Hälften, durch die nur der halbe Strom fließt. Zudem arbeiten die obere und die untere Modulhälfte getrennt. Beides mindert die Belastung bei Teilschatten. Einen vollständigen Schutz bietet die Bauart nicht, Bypass-Dioden und regelmäßige Kontrolle bleiben nötig.

Was kostet eine Thermografie der Solaranlage?

Der Preis hängt von der Größe der Anlage, dem Zugang zum Dach und dem Umfang des schriftlichen Befunds ab. Ein allgemeingültiger Wert lässt sich nicht nennen, holen Sie deshalb Angebote ein. Bei großen Anlagen spart eine Drohne Zeit: Für 4 Megawatt nennt die Internationale Energieagentur etwa 5 bis 10 Stunden statt 15 bis 20 Stunden mit der Handkamera.

Fazit

Ein Hot-Spot ist eine überhitzte Stelle im Solarmodul, die entsteht, wenn eine Zelle zum Engpass in ihrer Reihe wird. Meist stecken Schatten oder Schmutz dahinter, seltener ein Zellbruch, eine Lötstelle oder eine defekte Bypass-Diode. Gefährlich wird es vor allem, wenn defekte Diode und Schatten zusammenkommen.

Brände bleiben die Ausnahme: 0,006 % der Anlagen verursachten laut Fraunhofer ISE einen Brand mit größerem Schaden. Wer sein Dach schattenarm plant, sauber montieren lässt, den Ertrag im Blick behält und zur Inbetriebnahme ein Wärmebild aufbewahrt, hat das Wesentliche getan.

Quellen und Methodik

Entstehung, Fehlerbilder, Temperaturunterschiede und die Feldstudie zu Bypass-Dioden stammen aus dem Bericht der Internationalen Energieagentur zu Modulfehlern. Die Bedingungen für Wärmebilder folgen ihrem Bericht zur Infrarot-Prüfung. Die Brandzahlen stammen vom Fraunhofer ISE und gelten für Deutschland. Sie beruhen auf einer älteren Auswertung, neuere amtliche Zahlen in gleicher Tiefe liegen nicht vor. Die Stufentabelle, die Übersicht der Erkennungswege, die Aussagen zu Halbzellen-Modulen und die Checkliste sind Einordnungen von Solar.red. Prozentwerte zum Ertragsverlust nennt der Beitrag bewusst nicht, weil die Quellen keine allgemeingültigen Werte hergeben.

  1. Internationale Energieagentur, IEA PVPS Task 13: Review of Failures of Photovoltaic Modules - Entstehung, Brandflecken, Zellbrüche, Bypass-Dioden, Muster im Wärmebild
  2. Internationale Energieagentur, IEA PVPS Task 13: Review on Infrared and Electroluminescence Imaging for PV Field Applications - Messbedingungen, Drohne, Wärmebild zur Inbetriebnahme
  3. Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland - Brandzahlen, Brandquellen, Lichtbogenerkennung
  4. TÜV Rheinland und Fraunhofer ISE: Leitfaden Bewertung des Brandrisikos in Photovoltaik-Anlagen - Verteilung der Schadensursachen
  5. PVEducation: Bypass Diodes - Wirkung der Bypass-Diode, Zellen je Diode, Leistung in der verschatteten Zelle

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Prüfung durch eine Elektrofachkraft oder einen Gutachter. Arbeiten an der Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Solar.red steht in keiner geschäftlichen Verbindung mit den genannten Einrichtungen.

© Solar.red