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Das Wichtigste in Kürze

Bifaziale Solarmodule erzeugen Strom auf Vorder- und Rückseite und lohnen sich dort, wo die Rückseite Licht bekommt: aufgeständert über hellem Untergrund, auf Flachdächern, in der Freifläche und senkrecht als Zaun. Auf einem Schrägdach mit dicht aufliegenden Modulen ist der Gewinn gering.

  • Bifazialitätsfaktor: Verhältnis von Rückseiten- zu Vorderseitenleistung, gemessen nach der Norm IEC TS 60904-1-2 (aktuelle Ausgabe 2024)
  • Gemessener Mehrertrag 2019 in Dänemark: 5,9 % über Gras, 11,0 % über weißer Plane bei 25° fester Neigung
  • Nachgeführte Anlagen über natürlichem Boden (Albedo 0,2 bis 0,3) erreichen laut IEA-PVPS meist unter 10 %
  • Albedo, also der zurückgeworfene Lichtanteil: Gras 0,15 bis 0,25, Beton 0,25 bis 0,35, Neuschnee 0,82
  • Wichtigste Hebel: heller Untergrund, Abstand zum Boden, freie Rückseite, Lage am Rand eines Modulfelds
  • Planung: Bifaziale Module liefern höhere Ströme, Kabel und Wechselrichter müssen dazu passen

Was bedeutet bifazial bei Solarmodulen?

Bifazial bedeutet zweiseitig: Ein bifaziales Solarmodul wandelt Licht auf der Vorderseite und auf der Rückseite in Strom um. Die Vorderseite arbeitet wie bei jedem anderen Modul. Die Rückseite nutzt Licht, das vom Boden, vom Dach oder von einer Wand zurückgeworfen wird, und Streulicht aus dem Himmel. So entsteht auf gleicher Fläche zusätzlicher Strom.

Das Gegenstück heißt monofazial. Bei solchen Modulen schließt eine undurchsichtige Rückseitenfolie das Modul hinten ab, und die Zellen haben eine vollflächige Metallschicht auf der Rückseite. Bifaziale Zellen haben stattdessen ein feines Kontaktgitter auf beiden Seiten, das Licht durchlässt.

Laut dem Bericht der Internationalen Energieagentur, Arbeitsgruppe Task 13 (IEA-PVPS), haben bifaziale Zellen und Module den Markt schnell übernommen, weil nur kleine Änderungen in der Zellfertigung nötig waren. Die meisten bifazialen Zellen stecken in Glas-Glas-Modulen oder in Modulen mit transparenter Kunststoff-Rückseite.

Wie funktionieren bifaziale Solarmodule?

Bifaziale Solarmodule sammeln Licht auf zwei Wegen. Auf die Vorderseite fällt direktes Sonnenlicht und diffuse Strahlung aus dem Himmel. Die Rückseite erreicht vor allem Licht, das der Untergrund reflektiert. Beide Anteile erzeugen in denselben Zellen Strom. Wie viel hinten ankommt, bestimmen Helligkeit des Bodens, Abstand, Neigung und Verschattung durch das Gestell.

Vorderseite direktes Licht Rückseite reflektiertes Licht Heller Untergrund hohe Albedo, mehr Licht hinten
Schema eines aufgeständerten bifazialen Moduls: Die Vorderseite nimmt direktes Sonnenlicht und Himmelslicht auf, die Rückseite das vom Boden zurückgeworfene Licht. Je heller der Boden und je größer der Abstand, desto mehr Licht erreicht die Rückseite.

Die Rückseite bekommt deutlich weniger und ungleichmäßiger verteiltes Licht als die Vorderseite. Der IEA-Bericht weist darauf hin, dass diese Ungleichmäßigkeit zu kleinen elektrischen Verlusten innerhalb eines Moduls führt, weil nicht alle Zellen gleich viel Strom liefern. Querstreben, Anschlussdosen und Kabel hinter dem Modul werfen zusätzlich Schatten auf die Rückseite.

Die Leistung auf dem Typenschild gilt in der Regel nur für die Vorderseite unter Standard-Testbedingungen. Was die Rückseite beiträgt, kommt im Betrieb obendrauf und hängt vollständig vom Standort ab. Viele Hersteller zeigen im Datenblatt deshalb eine Tabelle mit der Leistung bei verschiedenen Rückseitengewinnen.

Was ist der Bifazialitätsfaktor?

Der Bifazialitätsfaktor gibt an, wie leistungsfähig die Rückseite im Vergleich zur Vorderseite ist. Er wird nach der technischen Spezifikation IEC TS 60904-1-2 im Labor bestimmt, jede Seite einzeln bei 1.000 W je Quadratmeter und 25 °C. Ein Faktor von 0,80 bedeutet: Bei gleicher Beleuchtung liefert die Rückseite 80 Prozent der Leistung der Vorderseite.

Die Norm unterscheidet drei Verhältnisse, für die maximale Leistung, die Leerlaufspannung und den Kurzschlussstrom. Die erste Ausgabe erschien 2019, die zweite im November 2024. Seit der Ausgabe 2024 wird die sogenannte Ersatzeinstrahlung, mit der ein Prüflabor die Rückseite rechnerisch berücksichtigt, über den Bifazialitätsfaktor des Kurzschlussstroms berechnet. Laut Normenkatalog der IEC liegt inzwischen eine konsolidierte Fassung mit Änderung 1 aus dem Jahr 2026 vor.

Tabelle seitlich scrollen
Typische Bifazialitätsfaktoren nach Zelltechnik (Leistungsverhältnis Rückseite zu Vorderseite)
ZelltechnikBifazialitätsfaktorHerkunft des Werts
PERC (p-Typ)60 bis 70 %IEA-PVPS, Bericht 2021
n-PERT (n-Typ)75 bis 95 %IEA-PVPS, Bericht 2021
Heterojunction (HJT)über 90 %IEA-PVPS, Bericht 2021
TOPCon (n-Typ)häufig 80 % ± 5 %Herstellerangabe in Datenblättern

Für TOPCon-Zellen, die nach 2021 zum Massenprodukt wurden, nennt der IEA-Bericht noch keinen Bereich. Der Wert in der Tabelle ist eine typische Datenblattangabe der Hersteller und damit eine Angabe mit Eigeninteresse. Wer Module vergleicht, findet den Faktor im Datenblatt unter Begriffen wie Bifazialität oder Bifaciality.

Faktor und Mehrertrag sind zwei Dinge

Der Bifazialitätsfaktor beschreibt nur das Modul. Der Mehrertrag einer Anlage, im Fachjargon Bifacial Gain, ergibt sich erst aus dem Faktor und dem Licht, das am Standort tatsächlich auf die Rückseite fällt. Ein Modul mit 90 % Faktor bringt über dunklem Asphalt weniger als eines mit 70 % über Schnee.

Wie viel Mehrertrag bringen bifaziale Module?

Der Mehrertrag bifazialer Module hängt so stark vom Standort ab, dass es keinen festen Wert gibt. Messungen der IEA-PVPS zeigen bei 25° fester Neigung 5,9 Prozent über Gras und 11,0 Prozent über weißer Plane. Nachgeführte Anlagen über natürlichem Boden erreichen laut demselben Bericht meist unter 10 Prozent. Höhere Werte gibt es vor allem bei Schnee.

Gemessener Mehrertrag bifazialer Module in Risø (Dänemark), Juli bis September 2019
Fest 25°, Kies (Albedo 0,20)3,7 %
Fest 25°, Gras (Albedo 0,22)5,9 %
Fest 25°, weiße Plane (0,60)11,0 %
Nachgeführt, Gras (0,22)7,2 %
Nachgeführt, Kies (0,26)9,3 %
Nachgeführt, weiße Plane (0,60)15,4 %
Mittlerer Mehrertrag gegenüber monofazialen Vergleichsmodulen, gemessen an Strings mit bifazialen PERC-Modulen. Quelle: IEA-PVPS Task 13, Bericht T13-14:2021, Tabelle 31. Die Testflächen mit Kies und Plane waren schmaler als das Modulfeld, ein Teil des Lichts kam daher vom umgebenden Gras.

Der Gewinn steigt laut IEA-PVPS mit der Albedo, dem Anteil an diffusem Licht, der Montagehöhe, dem Reihenabstand und dem Abstand zwischen den Modulen. Keiner dieser Faktoren erklärt den Gewinn allein. Eine Auswertung von 27 Testanlagen fand keinen einzelnen Parameter, der gut mit dem gemessenen Mehrertrag zusammenhing.

Bei Schnee ändern sich die Verhältnisse. Auf einer norwegischen Testanlage mit Schneedecke und einer gemessenen Albedo von 0,79 lag der geschätzte Rückseitengewinn im Februar 2020 bei 18 Prozent an einem klaren und 30 Prozent an einem bedeckten Tag, jeweils über zwei Stunden gemittelt. Solche Spitzen sind kein Jahreswert.

Kleine Anlagen profitieren von sogenannten Randeffekten. In einer Simulation des IEA-Berichts erhielt ein einzeln stehendes Modul über 45 Prozent mehr Rückseitenlicht als das mittlere Modul einer langen Reihe, bei Albedo 0,25, 35° Neigung und 1 m Höhe. Deshalb lassen sich Messwerte kleiner Testfelder nicht auf große Anlagen übertragen, und umgekehrt.

Vorsicht bei Prognosen

In einem Vergleich von 13 Simulationsprogrammen lagen die vorhergesagten Rückseitengewinne für dieselbe Anlage um bis zu den Faktor zwei auseinander. Angaben wie "bis zu 30 Prozent mehr" ohne genannte Bedingungen sind deshalb kein Planungswert. Belastbar ist eine Ertragsprognose mit Standort, Untergrund und Montagehöhe.

Welcher Untergrund eignet sich für bifaziale Module?

Für bifaziale Module eignet sich jeder helle Untergrund, denn die Albedo bestimmt, wie viel Licht zur Rückseite gelangt. Albedo ist der zurückgeworfene Lichtanteil, von 0 für Schwarz bis 1 für Weiß. Gras liegt bei 0,15 bis 0,25, Beton bei 0,25 bis 0,35, Neuschnee bei etwa 0,82. Helle Dachbahnen und Beton sind besser als Asphalt.

Tabelle seitlich scrollen
Albedo typischer Untergründe (Anteil des zurückgeworfenen Lichts, 0 bis 1)
UntergrundAlbedoEignung für die Rückseite
Asphalt, trocken0,09 bis 0,15schwach
Gras0,15 bis 0,25mäßig
Beton0,25 bis 0,35mäßig bis gut
Rote Dachziegel0,33mäßig, auf dem Schrägdach aber kaum nutzbar
Verzinktes Stahlblech, neu0,35mäßig bis gut
Sand0,21 bis 0,60je nach Farbe mäßig bis sehr gut
Nassschnee0,55 bis 0,75sehr gut
Neuschnee0,82sehr gut, nur saisonal

Die Werte stammen aus der Modellierungsanleitung des PV Performance Modeling Collaborative der Sandia National Laboratories, die sich auf Richtwerte der Simulationssoftware PVsyst stützt, und für Sand aus dem IEA-Bericht. Die Spalte zur Eignung ist eine eigene, qualitative Einordnung.

Die Albedo ist keine feste Größe. Laut IEA-PVPS reflektiert trockener Boden mehr als nasser, trockenes Gras mehr als grünes, und morgens und abends liegt die Albedo meist etwas höher als mittags. Verschmutzung und Alterung senken den Wert. Ein weißer Belag bringt also nur dauerhaft etwas, wenn er hell bleibt.

Bifaziale Module richtig montieren: Höhe, Neigung, Abstand

Bifaziale Module werden so montiert, dass möglichst viel helles Licht ungehindert die Rückseite erreicht. Nach den Simulationen der IEA-PVPS sind Albedo, Neigung und Höhe die wichtigsten Stellgrößen: Höher und steiler aufgeständerte Module erhalten mehr Rückseitenlicht. Ein größerer Reihenabstand verringert die gegenseitige Verschattung des Bodens. Die Rückseite selbst sollte frei von Streben und Kabeln bleiben.

  1. Abstand zum Untergrund einplanen: Eine höhere Aufständerung verteilt das reflektierte Licht gleichmäßiger. Eine feste Mindesthöhe nennt der IEA-Bericht nicht, die Höhe muss gegen Kosten und Windlast abgewogen werden.
  2. Neigung abwägen: Ein steilerer Winkel erhöht den Rückseitenanteil, kann aber den Vorderseitenertrag senken. Einen Startpunkt liefert der Beitrag zum Neigungswinkel.
  3. Rückseite frei halten: Querträger, Anschlussdosen und Kabelkanäle direkt hinter den Zellen werfen Schatten. Bei nachgeführten Anlagen zeigt der IEA-Bericht, dass schon das Tragrohr messbar Licht kostet.
  4. Untergrund aufhellen, wo es dauerhaft möglich ist: helle Dachbahn, Kies oder Beton statt dunkler Flächen.
  5. Elektrik nachrechnen: Bifaziale Strings führen höhere Ströme. Kabel, Sicherungen und Wechselrichter müssen dafür ausgelegt sein.

Senkrecht stehende Module sind eine Ausnahme. Laut IEA-Bericht senkt eine höhere Montage bei vertikalen Anlagen den Ertrag immer, sie stehen daher direkt über dem Boden. Für die Sicherheit gilt außerdem: Glas-Glas-Module mit dem Einbettungsmaterial EVA können nach dem Bericht anfälliger für potenzialinduzierte Degradation sein, eine Form der Alterung durch Spannungsunterschiede. Polyolefin als Einbettungsmaterial beugt dem weitgehend vor.

Wo sind bifaziale Module sinnvoll?

Bifaziale Module sind dort sinnvoll, wo die Rückseite frei liegt und auf eine helle Fläche blickt: in Freiflächenanlagen, auf Flachdächern mit heller Dachbahn, an Carports, als senkrechter Solarzaun und in der Agri-Photovoltaik. Auf Schrägdächern mit dicht aufliegenden Modulen und auf dunklem Untergrund bringt die Rückseite wenig zusätzlichen Strom.

Tabelle seitlich scrollen
Einsatzbereiche bifazialer Module im Überblick (qualitative Einordnung)
EinsatzLicht auf der RückseiteEinordnung
Freifläche, aufgeständertviel, je nach Bodensehr gut geeignet, laut IEA-Bericht häufig die günstigste Bauform
Flachdach mit heller Dachbahnviel, Randmodule besondersgut geeignet bei ausreichender Aufständerung
Carport, Überdachungmittel bis vielgut geeignet, heller Boden darunter hilft
Senkrechter Zaun Ost-Westbeide Seiten wechselndgut geeignet, Ertrag morgens und nachmittags
Agri-Photovoltaikmittelgeeignet, vor allem senkrecht oder hoch aufgeständert
Balkongeländergering bis mittelnur mit heller Wand oder hellem Boden dahinter
Schrägdach, dicht aufliegendsehr wenigkaum Mehrertrag

In der Freifläche haben bifaziale Module auf einachsig nachgeführten Gestellen nach einer im IEA-Bericht zitierten Studie aus dem Jahr 2020 auf 93 Prozent der Landfläche der Erde die niedrigsten Stromgestehungskosten. Für große Anlagen ist bifazial deshalb heute der Normalfall. Mehr zu solchen Projekten steht im Beitrag über Solaranlagen auf Freiflächen.

Auf dem Flachdach zählen helle Dachbahnen und Abstand. Der IEA-Bericht nennt aufgeständerte Anlagen auf flachen weißen Dächern, Parkplatzüberdachungen und senkrechte Lärmschutzwände als Beispiele, die vom zusätzlichen Licht an den Rändern eines Modulfelds profitieren.

Senkrecht in Ost-West-Richtung aufgestellte Module liefern laut Fraunhofer ISE (Fassung vom August 2026) vormittags und nachmittags deutlich mehr Strom als mittags. Mit einem Bifazialitätsfaktor über 90 Prozent und einem großen Verhältnis von Modul- zu Wechselrichterleistung erreichen solche Anlagen rund 2.000 Vollbenutzungsstunden im Jahr. Weil die Reihen schmal sind, bleibt die Fläche für Landwirtschaft nutzbar. Das macht sie für die Agri-Photovoltaik und für Solarzäune interessant.

Lohnen sich bifaziale Module am Balkonkraftwerk?

Bifaziale Module lohnen sich am Balkonkraftwerk nur, wenn hinter oder unter dem Modul eine helle Fläche liegt, etwa eine weiße Hauswand oder ein heller Balkonboden, und die Rückseite nicht durch eine Brüstung abgedeckt ist. Am senkrechten Geländer vor dunklem Hintergrund bringt die Rückseite wenig. Ist der Aufpreis gering, schadet die bifaziale Variante nicht.

Für Balkonkraftwerke gibt es keine unabhängige Messreihe mit einem festen Mehrertrag. Hilfreich ist ein einfacher Blick: Sieht die Rückseite im Tagesverlauf viel helle, sonnenbeschienene Fläche, kommt Licht an. Blickt sie auf eine dunkle Brüstung oder steht dicht vor der Wand, kaum. Den Grundertrag ohne Rückseite schätzt der Balkonkraftwerk-Rechner.

Eine freistehende Aufstellung im Garten auf hellem Kies oder an einer Gartenmauer ist für bifaziale Module meist günstiger als das Geländer, weil Abstand und Untergrund dann frei wählbar sind.

Bifaziale Module: Vorteile und Nachteile

Der wichtigste Vorteil bifazialer Module ist zusätzlicher Strom auf derselben Fläche, der Nachteil die starke Abhängigkeit vom Standort. Über heller Fläche und mit Abstand zum Boden steigt der Ertrag messbar, auf dem dicht belegten Schrägdach kaum. Dazu kommen höhere Ströme, die die Elektrik berücksichtigen muss, und bei Glas-Glas-Bauweise ein höheres Gewicht.

Vorteile

  • Mehr Strom pro Fläche, gemessen etwa 6 bis 15 Prozent je nach Untergrund und Gestell
  • Besonders hohe Gewinne bei Schnee und hellem Boden
  • Senkrechte Ost-West-Aufstellung möglich, mit Ertrag morgens und nachmittags
  • Häufig als robuste Glas-Glas-Module gebaut
  • Senkrechte Anlagen verschmutzen laut IEA-Bericht kaum

Nachteile

  • Ertrag stark abhängig von Albedo, Höhe und Verschattung
  • Auf dem Schrägdach mit aufliegenden Modulen wenig Gewinn
  • Höhere Ströme, Kabel und Wechselrichter müssen passen
  • Prognosen schwanken je nach Software um bis zu Faktor zwei
  • Glas-Glas-Module sind schwerer als Glas-Folie-Module

Die Spanne von 6 bis 15 Prozent bei den Vorteilen bezieht sich auf die Messungen in Risø über Gras und weißer Plane. Über Kies lag der Gewinn dort sogar nur bei 3,7 Prozent, weil der Kies mit einer Albedo von 0,20 nicht heller war als Gras und die Kiesfläche schmaler als das Modulfeld.

Bifazial oder monofazial: Was ist besser?

Bifazial ist besser, wenn die Rückseite Licht bekommt und der Aufpreis gegenüber einem gleichwertigen monofazialen Modul gering ist. Monofazial genügt auf einem Schrägdach mit aufliegenden Modulen, weil dort kaum Licht hinter die Module gelangt. Für den Vergleich zählen Vorderseitenleistung, Preis je Kilowattpeak und der zu erwartende Rückseitengewinn am konkreten Standort.

Für dicht aufliegende Dachanlagen nennt der IEA-Bericht eine Zwischenlösung: bifaziale Zellen in einem Modul mit weißer, stark reflektierender Rückseite. Das Licht, das zwischen den Zellen hindurchfällt, wird dann zurück auf die Zellen gespiegelt und steigert die Leistung der Vorderseite. Ein solches Modul ist selbst monofazial.

Die Wahl der Zelltechnik ist davon unabhängig. Auch monofaziale Module nutzen heute häufig monokristalline n-Typ-Zellen. Unterschiede beim Verhalten in der Hitze beschreibt der Temperaturkoeffizient im Datenblatt.

Praxis: Lohnt sich bifazial auf meinem Dach?

Bifaziale Solarmodule lohnen sich auf dem eigenen Dach, wenn sie aufgeständert über einer hellen Fläche stehen, etwa auf einem Flachdach, einer Garage oder einem Carport. Auf einem Schrägdach mit flach aufliegenden Modulen bringt die Rückseite kaum Strom. Mit den folgenden Punkten lässt sich die eigene Situation einordnen: Je mehr zutreffen, desto größer der Gewinn.

  • Die Module werden aufgeständert und nicht flach auf dem Dach verlegt.
  • Unter oder hinter den Modulen liegt eine helle Fläche, etwa eine weiße Dachbahn, heller Kies oder Beton.
  • Die Anlage ist klein oder hat viele Randmodule, zum Beispiel eine einzelne Reihe auf dem Garagendach.
  • Hinter den Modulen verlaufen keine breiten Träger oder Kabelkanäle.
  • Am Standort liegt im Winter regelmäßig Schnee.
  • Der Aufpreis gegenüber einem vergleichbaren monofazialen Modul ist gering.

Eine einfache Rechnung zeigt die Größenordnung. Angenommen, eine Anlage liefert ohne Rückseite 9.000 kWh im Jahr. Bei 5 Prozent Rückseitengewinn sind das 450 kWh mehr, bei 10 Prozent 900 kWh. Die Annahmen sind Beispielwerte, keine Prognose. Den Grundertrag für den eigenen Standort liefert der PV-Ertragsrechner, den Rückseitengewinn sollte der Fachbetrieb mit Untergrund und Montagehöhe begründen.

Faustregel für Hausbesitzer

Schrägdach mit aufliegenden Modulen: Bifazial ist kein Muss, entscheidend sind Preis und Vorderseitenleistung. Flachdach, Carport, Garten oder Zaun: Bifazial lohnt sich meist, wenn Abstand und heller Untergrund eingeplant werden.

Häufige Fragen

Wie erkennt man ein bifaziales Solarmodul?

Ein bifaziales Solarmodul hat eine durchsichtige Rückseite aus Glas oder transparenter Folie, durch die man die Zellen von hinten sieht. Eine weiße oder schwarze, undurchsichtige Rückseitenfolie spricht für ein monofaziales Modul. Sicher ist der Blick ins Datenblatt: Dort steht bei bifazialen Modulen ein Bifazialitätsfaktor oder eine Leistungstabelle mit Rückseitengewinn.

Sind bifaziale Module immer Glas-Glas-Module?

Nein. Viele bifaziale Module sind als Glas-Glas-Module gebaut, es gibt aber auch Varianten mit transparenter Kunststoff-Rückseite. Umgekehrt ist nicht jedes Glas-Glas-Modul bifazial, denn manche Zellen haben eine geschlossene Rückseitenmetallisierung. Entscheidend sind Zellen, die von hinten Licht aufnehmen, und eine Rückseite, die dieses Licht durchlässt.

Bringen bifaziale Module auf dem Schrägdach etwas?

Auf einem Schrägdach mit dicht aufliegenden Modulen kommt hinten kaum Licht an, weil die Rückseite nur wenige Zentimeter über dunklen Ziegeln liegt. Der Rückseitengewinn bleibt dann gering. Schaden tun bifaziale Module dort nicht. Lohnend ist die Wahl nur, wenn der Aufpreis klein ist oder andere Eigenschaften wie Glas-Glas-Bauweise gewünscht sind.

Wie hoch sollten bifaziale Module montiert werden?

Je größer der Abstand zum Untergrund, desto gleichmäßiger und heller wird die Rückseite ausgeleuchtet. Der Bericht der Internationalen Energieagentur von 2021 nennt die Höhe neben Albedo und Neigung als wichtigsten Hebel. Eine feste Mindesthöhe gibt es nicht. Bei senkrecht stehenden Modulen bringt eine höhere Montage laut demselben Bericht dagegen keinen Vorteil.

Lohnt sich weiße Folie unter bifazialen Modulen?

Eine helle Fläche unter den Modulen erhöht die Rückseitenstrahlung deutlich. Im dänischen Testfeld Risø stieg der Mehrertrag fest aufgeständerter Module 2019 von 5,9 Prozent über Gras auf 11,0 Prozent über weißer Plane. Die Folie muss groß genug sein, sauber bleiben und dem Wetter standhalten, sonst sinkt der Effekt mit der Zeit.

Brauchen bifaziale Module einen anderen Wechselrichter?

Einen speziellen Wechselrichter brauchen bifaziale Module nicht. Weil die Rückseite zusätzlichen Strom liefert, fließen aber höhere Gleichströme als bei gleich großen monofazialen Modulen. Laut dem IEA-Bericht von 2021 sollten Planer deshalb Kabelquerschnitte, Sicherungen und die Eingangsgrenzen des Wechselrichters mit dem Rückseitengewinn nachrechnen, damit nichts überlastet oder unnötig abgeregelt wird.

Funktionieren bifaziale Module senkrecht als Solarzaun?

Ja, senkrecht in Ost-West-Richtung aufgestellt nutzen bifaziale Module morgens die eine und nachmittags die andere Seite. Das Fraunhofer ISE beschreibt 2026, dass solche Anlagen vormittags und nachmittags deutlich mehr Strom liefern als mittags. Möglich wurde das durch Module mit einem Bifazialitätsfaktor über 90 Prozent. Die Fläche dazwischen bleibt nutzbar.

Bringen bifaziale Module im Winter mehr Ertrag?

Liegt Schnee, steigt der Rückseitengewinn deutlich, weil Neuschnee mit einer Albedo von etwa 0,82 rund viermal so viel Licht zurückwirft wie Gras. Ohne Schnee sind die Gewinne im Winter dagegen eher kleiner, weil der tiefe Sonnenstand mehr Boden verschattet. Die Messungen im IEA-Bericht zeigen die höchsten Gewinne meist im Sommer.

Sind bifaziale Solarmodule lichtdurchlässig?

Teilweise. Zwischen den Zellen eines bifazialen Glas-Glas-Moduls fällt Licht hindurch, die Zellen selbst sind undurchsichtig. Unter einer Terrassenüberdachung oder einem Carport entsteht deshalb ein gestreiftes Licht- und Schattenmuster. Wie viel Licht durchkommt, hängt vom Zellabstand ab. Für helle Überdachungen gibt es eigene Module mit größeren Abständen zwischen den Zellen.

Fazit

Bifaziale Solarmodule nutzen beide Seiten und holen auf gleicher Fläche mehr Strom heraus, aber nur, wenn die Rückseite Licht sieht. Gemessen wurden 2019 in Dänemark rund 6 Prozent über Gras und bis zu 15 Prozent über weißer Plane. Wer aufständert, einen hellen Untergrund schafft und die Elektrik auf die höheren Ströme auslegt, nutzt den Vorteil voll aus. Auf dem klassischen Schrägdach entscheiden dagegen Preis und Vorderseitenleistung.

Quellen und Methodik

Messwerte zum Mehrertrag, Bifazialitätsfaktoren nach Zelltechnik, Randeffekte, Hinweise zu Montage, Elektrik und Degradation stammen aus dem Bericht T13-14:2021 der IEA-PVPS, Task 13. Die Definition des Bifazialitätsfaktors und der Stand der Norm folgen dem Normenkatalog der IEC, die Albedo-Werte der Modellierungsanleitung der Sandia National Laboratories. Angaben zu senkrechten Ost-West-Anlagen stammen aus den Aktuellen Fakten zur Photovoltaik des Fraunhofer ISE in der Fassung vom 20. August 2026. Der TOPCon-Wert ist eine Herstellerangabe, die Eignungsspalten und die kWh-Beispielrechnung sind eigene Einordnungen. Preisangaben enthält der Beitrag nicht, weil sich dafür keine unabhängige, aktuelle Quelle fand.

  1. IEA-PVPS Task 13: Bifacial Photovoltaic Modules and Systems (Bericht T13-14:2021) - Mehrertrag, Bifazialitätsfaktoren, Randeffekte, Montage, Elektrik
  2. IEC: TS 60904-1-2:2024, Messung der Kennlinien bifazialer PV-Bauelemente - Definition und Messung des Bifazialitätsfaktors
  3. Sandia National Laboratories, PV Performance Modeling Collaborative: Albedo - Albedo typischer Untergründe
  4. Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland - senkrechte Ost-West-Anlagen, Vollbenutzungsstunden, Performance Ratio

Hinweis: Solar.red steht in keiner geschäftlichen Verbindung mit den genannten Einrichtungen oder Modulherstellern. Die Messwerte stammen aus Testanlagen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragen. Die Beispielrechnung dient der Orientierung und ersetzt keine Ertragsprognose. Für die Planung Ihrer Anlage wenden Sie sich an einen Fachbetrieb.

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