In der brütenden Sonne Indiens liegt Karnataka. Mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius scheint der Staat im Süden des Landes prädestiniert für die Solarstromerzeugung. Im Dezember 2019 ging mit dem Pavagada Solar Park tatsächlich die größte Solaranlage der Welt ans Netz. Umweltaktivisten finden wenig Grund zur Klage, die Bauern erhalten eine Pacht und der Parkbetreiber generiert auf dem gepachteten Land mehr als 2.000 Megawatt Solarstrom.

Pavagada – die weltgrößte Solaranlage

53 Quadratkilometer hat man im Tumkur Distrikt mit hochleistungsfähigen Solarpaneelen bestückt. Gleichzeitig wurde Pavagada zur zweitgrößten Photovoltaikanlage der Welt. In der Ausdehnung wird Pavagada nur noch vom Bhadla Solar Park im Norden Indiens, nahe der pakistanischen Grenze übertroffen. Pavagada erbringt 2.245 Megawatt Solarstrom. Als weltweit größte Solarstromerzeuger folgen den beiden Indern die Solarparks in China, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE).

Klug entwickeltes Projekt

Im Dezember kam die Erfolgsmeldung der Solarparkbetreiber aus Pavagada: Man sei dort nun „fully operational“. Das vom Betreiber ursprünglich auf 2.000 MW ausgelegte Solarprojekt wurde zwischenzeitlich um weitere 50 MW Kapazität erweitert. Nochmalige 200 MW werden vom Entwickler SB Energy (SoftBank) betrieben. Die volle Leistungsfähigkeit mit 2.050 Megawatt wurde bereits bestätigt. Dabei stand erst im Februar 2015 das Konzept für den Pavagada Solar Park fest. Knapp ein Jahr später begann der Bau der Anlage. Nicht einmal drei Jahre sind seitdem vergangen, bevor der Solarpark mit voller Leistung Solarstrom erzeugt. Keine Frage – das war für alle Beteiligten harte Arbeit.

Menschenfeindlich – perfekt für Pavagada

Einer der Gründe für die Standortwahl im Tumkur Distrikt von Karnataka war die hohe Sonnenstrahlung. Pavagada liegt auf einem erhöhten Plateau, dass von Gesteinshöhen umgeben ist. 54 Dürreperioden verzeichneten man dort in den vergangenen 60 Jahren. Die extrem regenarme Region war wie erwartet nur spärlich besiedelt und die wenigen Farmer waren sehr arm. Mit der nur 180 Kilometer entfernten Hightech-Stadt Bangalore fiel die Wahl häufig auf einen Umzug.

Entschädigung für die Landwirte

Trotz aller Schwierigkeiten wollte kaum einer der alteingesessenen Farmer sein Land für das Projekt verkaufen. Letztlich einigte man sich mit der Projektleitung des Pavagada Solar Parks auf eine Verpachtung der Landflächen. Jährlich erhalten die Pächter eine Zahlung von etwa US$290 (21,000 Indische Rupien) pro Acre (1 Acre entspricht etwa 4 Quadratkilometern, genauer 4.407 Quadratmeter). Alle zwei Jahre wird die Pacht um 5 Prozent erhöht. Ausgelegt sind die Pachtverträge auf 25 bis 35 Jahre. Mit dieser Pacht-Lösung konnten letztlich alle Leben – die Parkbetreiber und die Farmer.

Pachtverträge statt Käufe

Die jährlich feste Pacht entschädigt auch für die zahlreichen Dürreperioden, die man in Pavagada zu ertragen hatte. Allerdings bestand – trotz aller Widrigkeiten – eine hohe emotionale Bindung zum Farmland, die man nicht ohne weiteres aufgeben wollte. Auch für den Parkbetreiber ist die Pachtung der Landflächen eine denkbar günstige Alternative. Denn mit den Pachtverträgen konnten die Entstehungskosten des Solarparks erheblich gesenkt werden. Käufe und hohe Investitionssummen waren mit den gepachteten Landflächen nicht erforderlich. Der Park selbst ist in acht Blöcke mit jeweils 250 Megawatt eingeteilt.

Stolz und Zufriedenheit auf allen Seiten

Mit Stolz verkündete dann auch Piyush Goyal, Minister für Wirtschaft und Industrie, auf Twitter: „Indien nimmt eine führende Rolle in der sauberen Energie ein: Pavagada, der größte Solarpark der Welt ist in Betrieb. 2.050 Megawatt saubere Energie, erzeugt auf dem gepachteten Land von Bauern in einer von Dürreperioden geplagten Gegend. Gleichzeitig wird Karnataka zum größten Solarenergie-Produzenten Indiens“.

Karnataka – die Großmeister der Energie

Insgesamt kommen 7,1 Gigawatt Energie aus den Großprojekten des südindischen Staates. Nicht nur in Solarenergie investiert man in Karnataka, sondern auch in alternative Energien. Bei 62 Prozent an erneuerbaren Energien enthält der Energie-Mix des Landes auch thermale (35 Prozent) sowie nukleare Energien (2,5 Prozent). Der Anteil der Solarenergie an der Gesamt-Energieerzeugung beträgt in Karnataka 22 Prozent.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Kein Projekt ohne seine Kritiker. So auch beim Solarpark Pavagada. Als die „dunkle Seite eines glänzenden Projekts“ beschreiben Wohlfahrtsorganisationen aus der Landwirtschaft und Umweltaktivisten die entstehenden Probleme. Stein des Anstoßes sind die Abfälle des Solarprojekts in Pavagada. Gefordert wird die Errichtung eines Recycling-Werkes am Solarpark. Insbesondere während der Konstruktionsphase des Parks wurde sehr viel Abfall produziert. Bei der Installation wurden beschädigte Solarpaneele einfach zur Seite geworfen – ohne fachgerechte Entsorgung. Einige der Subunternehmer sollen den Müll vergraben haben, während andere ihn verbrannten.

Fazit

Möglicherweise wurde bei der Planung der Umweltaspekt – zumindest in Bezug auf die Abfallbeseitigung unterschätzt. Zwar sind die Pachtzahlungen gut, allerdings hat das Pavagada Projekt auch am sozialen Gefüge der Dörfer gerüttelt. Insgesamt sind 28 Jahre  keine Ewigkeit und nach Ablauf der Pachtverträge für das Solarprojekt plant man schon heute, auf die Felder zurückzukehren. Wer weiß, ob es bei den heutigen Klimaschäden dann nicht sogar regnet in Pavagada.

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